Vergeben und vergessen?
Vergeben - ja. Aber vergessen...?
Wir alle haben in der Vergangenheit Schuld auf uns geladen, haben gesündigt. Dankbar durften wir die Vergebung in Jesus Christus annehmen. Wie sieht diese göttliche Vergebung aus? Was trifft zu:
- Jesus kann uns nur vergeben, wenn wir uns danach bewähren und uns keine Fehler mehr passieren.
- Die Vergebung durch Jesus geschieht nur halb. Unsere Sünden kommen auf ein"Sündenkonto", das immer mehr anwächst. Wenn das "Sündenkonto" voll ist, kann uns nichts mehr vergeben werden.
- Weil wir sündigten, ist Jesus dermaßen beleidigt und in seinen Gefühlen gekränkt, daß eine wirklich liebevolle, herzliche Beziehung zwischen Jesus und uns nicht mehr möglich ist.
- Die Vergebung in Jesus ist vollständig. Alte Sünden werden nicht mehr ans Tageslicht geholt. Sie sind begraben und vergessen. Gottes Gnade ist so groß, daß er nach der Vergebung ein völlig ungetrübtes Verhältnis zu uns wünscht.
"Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erläßt die Schuld denen, die übriggeblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres werfen." (Micha 7,18.19)
Wie handeln wir, wenn jemand uns gegenüber schuldig geworden ist? Mutige dürfen beim Selbsttest ankreuzen – jeder aber sollte sich ehrliche Gedanken machen!
- Ich bin ganz groß im Vergeben, aber vergessen werde ich das nie!
- Ich habe ein bestimmtes Maß, das ich ertragen kann. Was sich darüber hinaus jemand an "Schnitzern" leistet, kann ich nicht vergeben.
- Ich kehre die Sünden anderer sofort unter den Teppich, aber irgendwie stolpere ich dann laufend darüber.
- Bei mir werden die Sünden der anderen in einem Kochtopf gesammelt. Regelmäßig erwärme ich diesen Kochtopf. Dann bleiben die Sünden schön warm und allgegenwärtig.
- Ich studiere gern die Sünden anderer. Das ist schrecklich interessant und lenkt vor allem so herrlich von mir selbst ab.
- Es ist meine größte Aufgabe, andere auf ihre Fehler hinzuweisen. In Gedanken führe ich Buch über die Entwicklung dieser Leute.
- Ich kann Sünden anderen nur vergeben, wenn sie mich nicht direkt betreffen. Wer mir schadet, ob absichtlich oder aus Versehen, kann von mir keine Gnade erwarten.
- Wer in der Beziehung zu mir schuldig geworden ist, zu dem kann ich nie wieder eine gute, herzliche oder gar liebevolle Beziehung aufbauen.
- Manche Menschen sind bei mir "unten durch", auch wenn sie sich 100 mal entschuldigen würden.
- Ich bemühe mich ehrlich darum, so von Herzen vergeben zu können, wie Jesus es tut. Ich bete darum, immer wieder Kraft zur Vergebung zu finden und mir bewußt zu machen, daß auch ich die Vergebung der anderen brauche.
- Ich möchte mich nicht mit den Sünden anderer beschäftigen, sondern sie schnell vergessen und immer wieder bereit sein, mit meinem Bruder oder meiner Schwester einen neuen Anfang zu machen.
- Ich möchte mein Beleidigtsein und meine Kränkung überwinden und keine unfreundlichen Gedanken in mir wachsen lassen.
"Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der schuldig an mir geworden ist, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzig mal siebenmal." (Matthäus 18,21.22).
"Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen ererbt." (1.Petrus 3,9).
"Vor allen Dingen habt untereinander beständig Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge." (1.Petrus 4,8).
"Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung." (2.Korinther 5,19).
Warum fällt es uns schwer, so von Herzen zu vergeben? Was könnte auf dich zutreffen?
- Ich glaube nicht, daß sich der wiederholt Sündigende wirklich bessern kann. Vergebung lohnt daher nicht, weil sich der Sünder doch nicht ändert.
- Vergebung ist eine Auszeichnung. Damit kann ich nicht so um mich werfen. Die meisten haben meine Vergebung eben nicht verdient.
- Ich kann nicht "über meinen Schatten springen". Wer mich beleidigt, dem muß ich einfach immer böse sein.
- Verletzte Gefühle wollen bei mir nicht heilen.
- Ich halte es für unter meiner Würde, mich denen herzlich zuzuwenden, die mich enttäuscht haben.
- Wenn ich jemandem vergebe, würde ich ihm ja damit eine Freude machen. Das hat er doch einfach nicht verdient.
- Selbst wenn ich sage: "Ich vergebe dir", bin ich innerlich so gekränkt, daß ich den anderen nur noch mit großem Abstand ertragen kann und kein gutes Verhältnis mehr zu ihm pflegen kann.
Was fällt uns auf?
Ich glaube nicht...
Ich kann nicht...
Ich will nicht...
Ich halte es für...
Ich bin so gekränkt...
Es geht um unser Ich. Unser Ich steht uns im Wege, wo wir von Herzen vergeben sollten.
"So ermahne ich euch nun, ...daß ihr der Berufung würdig lebt, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe." (Epheser 4,1.2).
"In Demut achte einer den andern höher als sich selbst." (Philipper 2,3).
"Alle aber miteinander haltet fest an der Demut..." (1.Petrus 5,5).
"Seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig." (1.Petrus 3,8).
Die Worte "Demut/demütigen" haben in unserer selbstbewußten Zeit größtenteils eine negative Bedeutung. Wer möchte sich schon erniedrigen oder herabsetzen?
Vielen Menschen fällt es schon schwer, Gott auf den Thron ihres Lebens zu lassen, auf dem vorher das Ich saß. "So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes." (1.Petrus 5,6).
Aber auch unter dem Thron Gottes sollten wir die Menschen nicht wie auf einer Leiter aufreihen: wir selbst auf der obersten Sprosse und alle anderen hübsch darunter – fein sortiert nach unserer Gunst und unserem Wohlwollen.
Demütig sein heißt:
- Ich bin ein wertvoller, von Gott geliebter Mensch. Aber auch die anderen sind das. Ich stehen nicht über ihnen! (Johannes 3,16).
- Mein gesundes Selbstbewußtsein läßt mich auch meine eigenen Unzulänglichkeiten erkennen und zugeben. Erst dann kann ich Jesus bitten, mir bei der Veränderung zu helfen. (Römer 3,23).
- Ich weiß, daß ich auf Gottes Vergebung angewiesen bin. Es ist mir ein Bedürfnis, diese Vergebung weiterzugeben. (Römer 2,1; 3,24).
- Ich bete für meinen Nächsten, gerade wenn er an mir schuldig geworden ist. (Matthäus 5,44; Philipper 1,4).
- Wenn jemand an mir sündigt, sehe ich, daß dieser Mensch Probleme hat, daß er Hilfe braucht oder daß er gerade durch eine schwierige Schule der Heiligung durch negative Erfahrungen geht. Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen oder beleidigt, sondern empfinde Mitleid und Sorge für den Sünder. (1.Korinther 12,25).
- Wenn ich mich nicht angegriffen fühle, komme ich nicht in Versuchung, zurückschlagen. (Römer 12,17.18).
- Ich bin dankbar, wenn mir meine Fehler nicht beständig "unter die Nase gerieben" werden. Darum möchte ich beim anderen auch auf das Gute sehen und es anerkennen. (Philipper 1,4-7).
- Ich lege mich nicht auf die Lauer, damit mir die Sünden der anderen ja nicht entgehen. Über die unzähligen Kleinigkeiten sehe ich großzügig hinweg und lege alles getrost in Gottes Hand. Ich vermeide es, mich über Dinge aufzuregen, die mich entweder nicht betreffen oder die ich nicht ändern kann. (Sprüche 19,11).
- Ich bemühe mich, den anderen nicht durch unglückliche Umstände in Versuchung zu bringen, sondern versuche, taktvoll zu helfen. (1. Mose 13,5-9).
- Bei notwendigen Problemgesprächen bleibe ich freundlich und taktvoll. Angriffige, emotionsgeladene Diskussionen werden vermieden. Der Herr möge einem Uneinsichtigen helfen. Unrecht an mir gebe ich an Gott ab. (2. Timotheus 2,23-26; 1.Petrus 5,7; Römer 12,17.18).
- Es ist nicht unter meiner Würde, immer wieder meine Hand zur Versöhnung auszustrecken und eine mir gebotene Hand zu ergreifen! (Römer 12,2).
Wenn ich wirklich demütig bin,...
- kann ich es ermöglichen, mit Gottes Hilfe eine erfahrene Kränkung zu vergeben.
- akzeptiere ich, daß jemand eine andere Meinung oder Ansicht hat als ich.
- kann ich in Toleranz und Verständnis mit Andersdenkenden gut auskommen.
- lege ich nicht jedes Wort "auf die Goldwaage".
- erkenne ich, daß nicht mein Weg oder meine Meinung für jeden zu jeder Zeit der einzig richtige sein muß. Gott kann verschiedene Menschen unterschiedlich führen.
- verurteile ich den anderen nicht – aus welchem Grund auch immer. (Jakobus 4,11.12).
"Woher kommen denn die Kämpfe und Streitigkeiten zwischen euch? Sie entspringen den Leidenschaften, die ständig in eurem Innern toben. Ihr verzehrt euch nach etwas, was ihr gerne hättet. Ihr seid neidisch und eifersüchtig, aber das bringt euch dem ersehnten Ziel nicht näher. Ihr kämpft darum; aber ihr bekommt es nicht, weil ihr Gott nicht darum bittet. Und wenn ihr ihn bittet, bekommt ihr es nicht, weil ihr nur in der Absicht bittet, eure unersättliche Gier zu befriedigen... Gott widersetzt sich den Überheblichen, aber denen, die gering von sich denken, wendet er seine Liebe zu. ...Beugt euch tief vor dem Herrn, dann wird er euch großmachen." (Jakobus 4,1-10).
"Jesus, unser treuer Heiland, hat allen Menschen deutlich vorgelebt, wie man Demut übt. ...Während sich seine Jünger stritten, wer der Größte im verheißenen Gottesreich sein würde, umgürtete er sich und wusch denen die Füße, die ihn Herr und Meister nannten." (Ellen G. White, Schatzkammer der Zeugnisse Band 1, Seite 473)
"Egoismus, Selbsterhöhung und Stolz sind erhebliche menschliche Schwächen, aber die Demut ist Stärke. Unser wirklicher innerer Wert erweist sich nicht, wenn wir von uns selbst die beste Meinung haben, sondern wenn Gott all unser Denken ausfüllt und unsere Herzen in Liebe zu unserem Heiland und zu unseren Mitmenschen erglühen. Ein schlichter Charakter und ein demütiges Herz vermitteln Glückseligkeit, während Eigendünkel zu Unzufriedenheit, Mißvergnügen und beständigem Verdruß führt. Wir müssen lernen, weniger an uns selbst zu denken und mehr daran, andere Menschen glücklich zu machen. Das wird uns göttliche Kraft verleihen." (Ellen G. White, Schatzkammer der Zeugnisse Band 1, Seite 368)
"Wer kann vor Gott stehen und sich auf einen fehlerfreien Charakter und ein makelloses Leben berufen? Wie kann dann jemand es wagen, seine Brüder zu kritisieren und zu verurteilen? Wer für sich selbst nur durch das Verdienst Christi auf Erlösung hoffen kann und selbst kraft des Blutes Christi um Vergebung bitten muß, steht unter der stärksten Verpflichtung, seinen Mitschuldigen Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung zu erweisen." (Ellen G. White, Schatzkammer der Zeugnisse Band 1, 225-226)
"Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht." (Philipper 2,5)
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