Den Gipfel vor Augen, zweiter Teil

Ich möchte dir nun von meiner zweiten Wanderung erzählen. Ich hoffe, du kommst auch diesmal wieder mit.

Bergspitzen im Nebel
Karge Bäume im Nebel
Weg, der an einem Stacheldrahtzaun entlangführt

Ich möchte zu dieser Wanderung ein wunderbar passendes Wort aus den Psalmen schreiben: "Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke! Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und mein Schutz!" (Psalm Kapitel 18, Verse 2 und 3).

Eine Wanderung im Nebel

Komm nur mit, es wird eine Nebelwanderung im November:

Als ich mit meinem Auto die Forststraße hoch fuhr, war ungläubiges Staunen auf den Gesichtern der Bewohner des letzten Hauses vor dem Berg: "Was will die jetzt um diese Jahreszeit bei diesem Nebel auf den Berg?".

Kein Auto ist auf dem Parkplatz. Ich weiß deshalb, dass ich heute allein auf diesem Weg sein werde. Zuerst geht es durch den Wald weiter auf der Forststraße, die bald aufhört. Als ich auf die Hochalm komme, wo die letzten Bäume stehen, ist nur ein Schild zu sehen: "Österreichischer Alpenverein Steig - Stubeck". Keine Markierung. Ich verlasse mich völlig auf dieses eine Hinweisschild. Immer wieder blicke ich mich um und präge mir die nahe liegende Gegend ein, damit ich bei diesem Nebel wieder den richtigen Weg finde. Vor mir liegt plötzlich ein kleiner Teich, und rundherum gespenstisch im Nebel stehen die kahlen Bäume. Sie stehen stumm da, wartend auf das neue Leben, welches das Frühjahr mit sich bringt. Die Welt scheint hier im Nichts zu versinken. Der Nebel verschluckt jegliche Farbe - alles ist eintönig hell bis dunkelgrau. Kein Ton - nichts ist zu hören. Kein anderes Wesen (ob Mensch oder Tier) ist zu sehen. Ich bin hier ganz allein! Der Nebel verfängt sich in meinen Haaren und tropft herunter. Aber nun sind Markierungen zu sehen. Erleichtert ob des Nebels gehe ich bergan. An meiner rechten Seite begleitet mich ein Zaun. Und dieser ist es auch, der mir Mut gibt, weiter zu gehen. Denn ich weiß, wenn ich wieder zurück gehe, brauche ich nur immer am Zaun entlang zu gehen.

Weiter und weiter ging es bergauf. Desto näher ich dem Gipfel komme, auf dem wieder ein Kreuz steht, desto kälter und windiger wird es. Oben angekommen, bläst ein sehr starker Wind. Ja, dieser Wind kann die Nebelfetzen vertreiben und gibt dadurch immer wieder einen Blick in die Ferne preis. Auf einmal sehe ich die gegenüber liegende Bergkette aus dem Wolkenmeer heraus ragen. Dieser Anblick war atemberaubend. Ich muss an das neue Jerusalem denken, das wir Menschen, die im Glauben fest geblieben sind, sehen dürfen, wie es vom Himmel hernieder kommt: "Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann." (Offenbarung Kapitel 21, Vers 2 - Bitte lies auch die nächsten beiden Verse in Offenbarung Kapitel 21, Verse 3 und 4 - die sind so wunderschön und trostreich!).

Der falsche Weg

Nach kurzer Rast (die Kälte verhindert ein längeres Verweilen beim Kreuz) gehe ich wieder bergab. So lange ich die Markierungen sehen kann und den Zaun an meiner nun linken Seite, gehe ich unbeschwert hinunter. Auf einmal kommt eine Wegkreuzung, das ich beim Bergauf gehen nicht wahr genommen habe. Wie muss ich jetzt gehen? Ich gehe gerade aus weiter und nach ca. 5 Minuten erkenne ich an der Umgebung und Bodenbeschaffenheit, dass dies der falsche Weg ist. Außerdem gibt es keine Markierungen mehr. Was nun? Das Beste und Sicherste ist, wieder soweit den selben Weg zurück gehen, bis ich zu dieser Kreuzung komme. Nun geht es wieder anstrengend und mit einigem Herzklopfen den Berg hinauf. Mein Herz ist sehr unruhig in mir. Durch den starken Nebel kann ich mich überhaupt nicht orientieren.

Bei der Kreuzung angelangt, stellte ich mich so hin, als ob ich wieder bergauf gehen würde. Von welcher Seite bin ich gekommen? Es muss von links gewesen sein. Ich gehe einige Schritte in diese Richtung und sehe im weichen Boden Schuhabdrücke! Wie froh und erleichtert bin ich jetzt! Bald sehe ich die nächste Markierung und froh geht es weiter bis zum Teich und nach links abbiegend zur Forststraße und zu meinem Auto.

Die Wanderung im geistlichen Sinn

Auch zu dieser Wanderung möchte ich den Glaubensweg eines Christen erläutern:

Der November zeigt das Ende des Jahres an und so kann man auch sagen, dass der November geistlich betrachtet den Beginn vom Ende der Welt andeutet. Je mehr die Treuen dem Ende der Welt entgegen gehen, desto unwirtlicher und kälter wird es für sie. Immer einsamer gehen Christen den Weg des Glaubens.

Man geht den Glaubensweg alleine.

Wirklich alleine?

Auch in der vermeintlichen Einsamkeit ist man niemals alleine: Desto stiller und kälter und grauer es um Einem herum wird, desto näher ist der Herr! Du bist niemals alleine! Die Natur steht schweigend in der Kälte da, aber trotzdem ist sie wunderschön. Eine Schönheit, die man wiederum nur in der Stille erkennen kann. Die Menschen fragen dich: "Was tust du hier?". Gehst du den Weg des Glaubens treu und ehrlich, so wirst du nicht sehr viele Menschen um dich haben, die dich verstehen werden. In dieser Kälte und im Nebel dieser Weltgeschichte ist deine einzige Sicherheit die, dass du dich an die Markierungen oder am Zaun orientierst. Die Markierungen vergleiche ich gerne mit den zehn Geboten, den Zaun vergleiche ich mit dem Wort Gottes: "Wenn ich schaue alleine auf deine Gebote, so werde ich nicht zu Schanden." (Psalm 119,6).

Desto näher du im Glauben zum Kreuz kommst, desto stärker bläst der Sturm des Lebens. Der Satan möchte dich nicht verlieren, denn du bist im Begriff die goldenen Ketten, mit denen er dich gefangen hält, abzulegen. Kämpfe gegen den Sturm an und ein sehr großer Lohn ist dein. Du wirst es nie bereuen. Immer wieder kam die Sonne heraus und erwärmte mich, aber der nächste Nebelschleier verhüllte sie wieder und es fröstelte mich. Immer wieder will uns Satan verführen zur Untreue gegenüber Gott, er lässt uns zweifeln an Gottes Wort, Satan lässt uns zweifeln daran, ob Gott wirklich existiert und vor allem lebt? Aber wenn wir unser Gesicht nach oben wenden, dann können wir die Sonnenstrahlen sehen, die vom Thron Gottes kommen. Wärme, wahren Frieden, wahres Glück und Freude können wir nur bekommen, wenn wir im Glauben aufblicken, zuerst aufs Kreuz und weiter zum Thron Gottes, wo Jesus Christus sitzt zur Rechten Hand Gottes und unser Fürsprecher und Erretter ist. Am Ziel deines Lebens angelangt, darfst du im Glauben die Pracht des neuen Jerusalems sehen, von Gott auf diese Erde herabgelassen wie eine geschmückte Braut!

Die falschen Wege

Froh, den Gipfel erreicht zu haben, ging ich unbeschwert bergab. Ich hielt mich wohl an die Markierungen und an den Zaun, aber auf einmal gab es noch einen anderen Weg. Im Glaubensleben eines jeden Menschen gibt es immer wieder Zeiten, wo man den rechten Weg verlässt. In Jesaja Kapitel 53, Vers 6 heißt es: "Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn [Jesus, Anm.]". Welch eine Befreiung! Aber nun zeigt er uns - nachdem wir geirrt sind, seine Fussabdrücke: "Denn dazu seid ihr berufen; weil auch Christus gelitten hat für uns und uns ein Vorbild gelassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußspuren." (1.Petrus 2,21). "Er [Jesus, der gute Hirte, Anm.] ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus, geht vor ihnen her und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme" (Johannes 10,3-4).

Wir Menschen benötigen immer eine Führung. Es hängt von deiner Entscheidung ab, welchen Weg du gehen wirst. Du entscheidest, ob du den Weg des Lebens gehen wirst, oder den sehr kurzen Weg der Vergänglichkeit. Matthäus schrieb die Worte Jesus Christus nieder, der sagte: "Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zu Verdammnis abführt; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind ihrer, die ihn finden." (Matthäus 7, 13-14).

Meine Geschichte

Ich erzähle dir eine sehr persönliche Geschichte: Vor Jahren übergab ich bewusst im Glauben mein Leben dem Herrn und war in der "ersten Liebe" (das heißt, ich war sehr freudig im Glauben und wollte nichts anderes, als Jesu Stimme zu folgen und treu zu sein). Aber einige Jahre später ging es mir sehr, sehr schlecht: Ich wurde schwer krank, war jahrelang arbeitslos, war geschieden, lebte alleine mit meinen Geldsorgen und trug Sorge auch um meine beiden Kinder, dass sie rechte Wege gehen. Eines Tages stand ich vor meiner Balkontüre in meiner Wohnung und sah zum Himmel und sprach: "Herr, was willst du von mir? Seit ich dir nachfolge, geht es mir immer schlechter. Ich habe keine Arbeit, habe große Schmerzen, bin sehr einsam und die Sorgen des Lebens muss ich auch alleine tragen. Welche Vorteile habe ich, wenn ich an dich glaube, wenn ich dir nachfolge?" Ich stellte mir vor, wie es ist, wenn ich meinem Glauben absage und die Wege gehe, die viele andere Menschen auch gehen - einen Weg ohne Gott! Würde es mir dabei nicht besser gehen?

Und dann kam sofort die Antwort vom Herrn. ER zerbrach mich! Ich sprach unter Tränen die Worte aus, die auch die Jünger zu Jesus sagten, als dieser sie fragte: "Wollt ihr mich auch verlassen?" Und die Jünger sagten zum Herrn: "Wohin sollen wir gehen? Nur du hast Worte des ewigen Lebens!" Und dann betete ich unter vielen Tränen. Es war ein befreiendes Gebet, denn der Herr war bei mir! Ja, ich durfte und darf auch heute noch seiner starken, liebenden Hand die mich immer führt, sicher sein. Wo ich auch bin, was ich auch tu, ER ist immer an meiner Seite. Und diese Gewissheit möchte ich durch nichts und von niemanden wegnehmen lassen.

Und dies, mein lieber Leser - diese Erfahrung der Geborgenheit, dies wünsche ich dir auch!

Henrike Markula, 29. 06. 2007

Service

Seite drucken
Als PDF speichern (bitte mit der Dateiendung .pdf speichern!)