Des Vaters Auftrag

Suchen auch wir nach unseren Brüdern?

Beine eines Hirten mit Hirtenstab

Bitte lest 1.Mose 37,12-14!

Wenn Jakob gewusst hätte, dass er seinen Sohn jahrelang nicht wiedersehen sollte, dann hätte er diesen Auftrag gewiss nicht gegeben. Das hatte er nicht geahnt, als der Sohn ihm aus der Ferne den letzten Gruß zuwinkte, dass es für viele Jahre das letztemal sein würde, dass er seinen Liebling sah.

Das wusste Jakob nicht, und darum gab er Josef diesen Auftrag: "Komm, ich will dich zu ihnen senden!" Und diese erklärte sich sofort bereit: "Hier bin ich." Es war wohl kein leichter Auftrag für Josef. Er wusste ja, wie feindlich die Brüder gegen ihn gesinnt waren. Wenn er nun fern vom Zelt des Vaters mit ihnen zusammentreffen würde, könnte es wieder Szenen geben mit unfreundlichen und feindlichen Reden. Aber wenn ihm das auch vielleicht durch den Sinn ging, er sagte jedenfalls kein Wort davon. Und als der Vater ihm den Auftrag gab: "Komm, ich will dich zu ihnen senden", da ist er sofort bereit, des Vaters Auftrag auszuführen.

Und wir?

Wie oft, wenn Gott uns irgendeinen Auftrag gab, haben wir ihn auf die Waage gelegt und gewogen, ob er leicht oder schwer sei. Kommt es denn darauf an, was uns leicht oder schwer erscheint? Es handelt sich doch nur darum, dass wir die Aufträge Gottes ausführen, ganz einerlei, ob sie leicht oder schwer sind.

Legst du auch noch die Aufträge Gottes auf die Waage? Dann denk einmal an Jesus! Was war das für ein Auftrag, den er von seinem Vater bekam! Der hieß: "Geh hin, mein Kind, und nimm dich der gefallenen Menschenkinder an. Mache sie los und errette sie durch dein Sterben." Hat Jesus gesagt: "Aber Vater, das ist mir zu schwer!"? Nein! Sondern er hat gesagt:

"Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, ich will's dir tragen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein Wirken ist dein Sagen."

Er wusste wohl, was der Auftrag des Vaters in sich schloss. Er wusste wohl, dass das Kreuz am Ende seines Weges stehen würde. Und doch hat er sich keinen Augenblick besonnen. Dennoch war er sofort bereit. Ja, das Psalmwort passt für ihn: "Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern." (Psalm 40,9).

Sagt er doch selber: "Das ist meine Speise, dass ich tue den Willen des, der mich gesandt hat." (Johannes 4,34).

Und wir? Müssen wir uns nicht schämen, dass wir es uns oft so lange überlegt haben, bis wir uns entschlossen, den Willen Gottes zu tun? Wie oft waren da erst innere Widerstände zu überwinden in unserem Herzen, bis wir uns endlich bereit erklärten!

In einem Gotteshaus fand ich einmal an der Wand drei Worte, die mir gut gefallen:

"Ganz! Gern! Gleich!" Ja, so sollen die Aufträge des Vaters ausgeführt werden! Sie sollen zuerst ganz ausgeführt werden, nicht nur teilweise. Ganz! Und sie sollen gern ausgeführt werden.

Ist es denn nicht eine Ehre für uns, wenn Gott uns einen Auftrag gibt. Da wollen wir es doch gern tun, was er uns aufträgt. Er verlangt doch nichts Unmögliches von uns. Und er legt uns auch nicht mehr auf, als wir tragen können.

Und endlich sollen die Aufträge Gottes gleich ausgeführt werden, sofort! Nicht gelegentlich einmal, wenn es uns passt, sondern mit ganzer Pünktlichkeit. Wenn du deinem himmlischen Vater Freude machen willst, dann mach diese drei Worte zu deinem Grundsatz!

Wenn du willst, dass dein Leben ein gesegnetes werde, dann handle nach diesen drei Worten: "Ganz, gern, gleich!". Du wirst es nicht bereuen, das ist gewiss.

Das Geheimnis eines gesegneten Lebens liegt in unserem pünktlichen, bereitwilligen, völligen Gehorsam. Ich wünschte, dass wir Christen ernsthaft danach trachten, unserem Vater Freude zu machen!

Willst du es tun? Ja? Dann schreib fortan diese Worte über dein Leben:

"Ganz! Gern! Gleich!".

Bitte lest 1.Mose 37,15-17.

Als Josef nach Sichem kam, waren seine Brüder nicht mehr da. Was hätte er jetzt überlegen können?

Nicht wahr, er hätte jetzt denken können: Ich habe meinen Auftrag ausgeführt! Mein Vater hat mich nach Sichern geschickt. Nun ist der Auftrag erledigt. Nun kann ich ruhig wieder umkehren. Er wusste: Wenn der Vater auch gesagt hat, ich solle nach Sichem gehen, so kam es ihm doch darauf an, dass ich meine Brüder treffen sollte. Darum ist mein Auftrag in Sichern noch nicht erledigt. Ich muss weitergehen und meine Brüder suchen. Wenn er auch weiß, dass sie ihm keinen freundlichen Empfang bereiten werden, er folgt ihnen nach Dotan, wohin sie gezogen sind. Ich suche meine Brüder.

"Wie weit war es vom Vater bis nach Sichem? Über 80 km war er bereits gelaufen und jetzt hatte er noch einmal 25 km vor sich. Aber der Gedanke an die Sorge des Vaters und das Treffen mit den Brüdern, die er trotz ihrer Unfreundlichkeit liebte, ließen ihn seine Müdigkeit vergessen, und er beeilte sich, weiterzukommen." (Ellen G. White, Patriarchen und Propheten, Seiten 184-185).

Bedenke, so ist auch Jesus vom Vater ausgesandt worden, um seine Brüder zu suchen. Er wusste wohl, dass sie ihm keinen freundlichen Empfang reiten würden. Und doch ging er aus, sie zu suchen auf den Irrwegen der Sünde. Und wie lange sucht der gute Hirte ein verlorenes Schaf? Bis dass er´s findet! Wie treulich ist er ihnen nachgegangen.

Da sitzt er am Ölberg und schaut die Stadt Jerusalem an, die so lieblich im Sonnenschein daliegt, und die Augen werden ihm nass. "Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne sammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel - und ihr habt nicht gewollt!" (Matthäus 23,37).

Jesu ganzes Lebenswerk war - ein Suchen seiner Brüder.

Darum zog er landein und landaus, darum ging er nach Jericho und nach Kapernaum und nach Sichem, um seine Brüder zu suchen. Und wie es seine Lebensaufgabe gewesen war, so blieb es auch sein Werk im Sterben. Auch am Kreuz suchte er seine Brüder. Als er das erste Wort am Kreuz sprach: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", da suchte er seine Brüder. Als er sich dem Schächer am andern Kreuz zuwandte und ihm sagte: "Ich sage dir heute, du wirst mit mir im Paradiese sein“, da suchte er seine Brüder." (Lukas 23,43).

Und bis heute hat er seine Anhänger ausgesandt, um die Brüder zu suchen. "Wie mich mein Vater gesandt hat, also sende ich euch." (Johannes 20,21). "Ihr sollt meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde." (Apostelgeschichte 1,8). Wir sind beauftragt, unsere Brüder zu suchen.

Weißt du das, dass auch du diesen Auftrag hast?

Bist du ein überzeugter Christ, dann hast du auch den Auftrag, deine Brüder zu suchen. Dann darfst du nicht dir selbst leben und deiner eigenen Behaglichkeit. Dann darfst du deinen Glauben nicht in deinen vier Wänden verschließen, dann bist du verpflichtet, deine Brüder zu suchen. Auch bei Paulus lesen wir, wie er auf all seinen Missionsreisen sich immer wieder freute, wenn er Brüder fand.

Bist du deinem Auftrag schon nachgekommen?

Warum nicht? Du hast dich gefürchtet. Du hast gedacht: Dann werde ich ausgelacht, dann werde ich verspottet. Gewiss! Aber Josef wurde in die Sklaverei verkauft. Und Jesus wurde ans Kreuz geschlagen! Und sie gingen doch, um die Brüder zu suchen. Jeder, der die Errettung seiner Seele erfahren hat, ist beauftragt, die Brüder zu suchen. Wir können und dürfen uns diesem Auftrag nicht entziehen. Du sollst die Brüder suchen, die in deinem Hause sind. Hast du nicht noch Hausgenossen, sind da nicht noch Familienmitglieder, die noch ohne Glauben sind? Hast du nicht noch Arbeitskollegen und Nachbarn, die noch in der Irre gehen? Auch die sollst du suchen. "Aber sie werden mich auslachen!". Und wenn auch! Ist denn das so schlimm? Und wenn es dir in deinem ganzen Leben gelingen wollte, nur eine einzige Seele zu finden, was für ein Gewinn wäre das! Eine Seele hat doch in den Augen Gottes mehr Wert als die ganze Welt!

Das liegt doch in dem Wort: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" (Matthäus 16,26). Und wenn zwanzig dich auslachen, ja wenn hundert deiner spotten und dich einen Phantasten und einen Toren schelten, wenn nur eine Seele gerettet wird! Ist das nicht Lohn genug?

Ich wünschte, dass doch alle glaubenden Christen ihre Aufgabe erkennen und ihre Verantwortung bedenken möchten, dass doch jedes Kind Gottes es als Lebensaufgabe verstehen möchte: "Ich suche meine Brüder!".

Wie würde die Sache Christi vorangehen in der Welt, wenn alle seine Anhänger dieser Aufgabe eingedenk wären! Wie viel ist da schon versäumt worden!

Wie viele Gelegenheiten haben wir schon verpasst! Wollen wir weiter so dahingehen und nur an die eigene Seligkeit denken? Davor bewahre uns der Herr! Nein, wir wollen ihm unser Leben zur Verfügung stellen, wir wollen uns bereit erklären: "Ich suche meine Brüder!". Und da wollen wir uns nicht beirren und abschrecken lassen durch Enttäuschungen und durch Misserfolge, durch Hohn und Spott. Es soll dabei bleiben, mit Wort und Werk, zur Zeit und zur Unzeit: "Ich suche meine Brüder!".

Lass dich warnen!

In grauer Vorzeit war es, da waren einmal zwei Brüder zusammen auf dem Felde. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Blau spannte sich der Himmel über dem Gefilde. Da geschah etwas Furchtbares, Grauenvolles, dass die Sonne sich am liebsten verhüllt hätte, um das Schreckliche nicht mit ansehen zu müssen. Da warf sich Kain auf seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Der erste Tod in der Welt - ein Mord, ein Brudermord. Und warum geschah diese böse Tat? Es verdross Kain, dass Gott Abels Opfer gnädig ansah und seins nicht. Der erste Mord in der Welt - geschah um des Glaubens willen. Gewiss hat Abel seinem Bruder nie etwas zu leide getan. Aber das war es gerade, was Kain so ärgerte und reizte. Dieses friedliche Gesicht, dieses freundliche Wesen des Bruders war ihm ein täglicher Vorwurf, ein steter Ärger. Er wurde gewarnt. Gott sagte ihm: "Die Sünde lauert vor de Tür, und nach dir hat sie Verlangen!" (1. Mose 4,7). Aber Kain ließ sich nicht warnen. Er riss die Giftpflanze des Neides, der Missgunst nicht aus seinem Herzen heraus. Und sie wuchs und wuchs, und aus dem Neid wurde der Hass. Und dann auf dem Felde, in der schweigenden Einsamkeit, da wurde aus dem Hass der Mord. Ja, wenn Kain zu seinem Schöpfer gekommen wäre und ihm gesagt hätte: "O mein Gott, der Neid frisst an meinem Herzen! Hilf mir doch vor mir selber!", Gott hätte ihm geholfen. Aber Kain kam nicht. Und so blieb der Neid in seinem Herzen, und so wurde Kain ein Mörder.

Es war geradeso eine sonnige Stunde wie damals, als Kain seinen Bruder erschlug, als Josef nach Dotan kam. Auf den Felsen, die das grüne Tal umgaben, lag der Schein der Mittagssonne.

Bitte lest 1.Mose 37,18-20!

Josefs Brüder rasteten und ruhten. Da sahen sie einen Jüngling daherkommen. Sie kannten diesen leichten Schritt, die kannten diesen weißen Rock mit den bunten Säumen. Der Anblick des Rockes, das Zeichen väterlicher Liebe, brachte sie zur Raserei. Das war Josef. "Seht, der Träumer kommt daher" höhnten sie. "Aber keiner dachte an den langen Weg, der hinter ihm lag, bis er ihnen begegnen konnte, keinem kam es in den Sinn, dass er müde und hungrig sein musste und das Recht auf ihre Gastfreundschaft und brüderliche Liebe hatte." (Ellen G. White, Patriarchen und Propheten, Seite 185).

Und heiß stieg der Hass in ihren Herzen auf. Die Gelegenheit war so günstig. Weit und breit war niemand zu sehen. Da konnten sie sich den unbequemen Mahners, der ihnen so lange ein Dorn im Auge war, mit einem Mal entledigen. "Und sie machten einen Anschlag, dass sie ihn töteten."

Nicht mit einem Mal war der Plan entstanden, Jesus zu töten. Das hatte auch seine Geschichte. Zunächst war man nur ungehalten über ihn, weil er "so anders" war, weil sein heiliges Leben das Leben seiner Umgebung strafte. Die Macht seiner Liebe klopfte an die Herzen, sein reines Vorbild warb um sie. Aber sie verhärteten sich gegen sein Wesen der Gnade. Und der Giftbaum wuchs und wuchs. Und so beging Israel den Justizmord an seinem Messias. Da schlug die Menschheit ihren Retter und Heiland ans Kreuz.

Wollen wir aus diesen Geschichten etwas lernen? So ein Samenkörnlein ist so klein und winzig, das dahergeflogen kommt in der Luft. Aber wenn es ein Fleckchen Erde gefunden hat, wo es haften kann, dann schlägt es Wurzeln. Und dann wächst und wächst es und wird ein Baum. Nimm dich vor der Sünde in acht! Dulde keine Sünde in deinem Herzen! Gestattest du einem einzigen Sündenkeim, in dein Herz zu fallen und darin zu wurzeln, so wird das Ende Verderben sein. Denn der Keim wird wachsen und die Sünde wird sich entfalten. Schau in dich! Wohnt da etwas in deinem Herzen? Ist da so eine Neigung, etwas Böses zu tun? Dann komm unter das Blut Jesu! Lass dich reinigen von aller Untugend. Das kann es. Spiel nicht mit der Sünde! Denke nicht, die Sache sei ja doch nicht so schlimm. Vielleicht noch nicht; aber es kann schlimm werden. Und es wird schlimm werden, wenn du sie wachsen lässt. Darum "lass der Sünde nicht ihren Willen, sondern herrsche über sie!".

Amen.

Kurt Barath, 16. 07. 2008

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