Was unsere Erlösung den Himmel gekostet hat
"Und wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes." (1. Petrus 1,18.19.)
Gefangen in der Sklaverei
Als Petrus diese Worte schrieb, war die Sklaverei im Römischen Reich eine allgemein anerkannte Einrichtung. Männer und Frauen wurden als Sklaven gekauft und verkauft - gekauft mit Gold und Silber. Es kommt auch heute noch im Orient vor, dass Menschen verkauft werden. Wie schrecklich auch diese Sklaverei ist, so gibt es doch eine größere Knechtschaft: die Sklaverei der Sünde. Von Natur wird der Mensch mit dem Strick seiner Sünde gehalten. (Sprüche 5,22). So hat sich der Mensch verkauft unter die Herrschaft der Sünde. "Wisset ihr nicht, welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit." (Römer 6,16). Jesus sagte zu den Juden: "Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht." (Johannes 8,34)
Es wird uns berichtet, dass im Mittelalter ein berühmter Schmied gefangen und eingekerkert wurde. Als starker Mann meinte er, die Ketten sprengen zu können. Bei näherer Betrachtung der Ketten erkannte er, dass dies unmöglich war; denn an den Kennzeichen daran sah er, dass sie von ihm geschmiedet waren, und er hatte sich allezeit gebrüstet, niemand könne seine Ketten sprengen.
Jetzt saß er in seinen eigenen Ketten gefangen.
Dies ist wahr von jedem Menschen, der in diese Welt geboren wird: "Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten." (Römer 3,23). Die einzige Möglichkeit, von der Sklaverei der Sünde frei zu werden, liegt darin, seinen Herrn und Meister zu wechseln. Für diesen Wechsel muss ein Preis bezahlt werden, ein Loskaufpreis, um uns von der Herrschaft und dem Dienste Satans, der Sünde und des eigenen Ichs zu erlösen, so dass man dem einen wahren Gott dienen kann, der durch die Schöpfung das alleinige Recht auf den Menschen hat. Obwohl sich der Mensch für nichts verkauft hat, so kostet es doch einen ungeheuren Preis, um ihn zu erlösen. Dieser Loskaufpreis wurde bezahlt, die Macht Satans gebrochen und jeder Seele der Weg zur Freiheit eröffnet. Der Sündlose hat unsere Stelle eingenommen. Christus kam, um die Sklavenfesseln der Seele zu sprengen. Der Sklave der Sünde kann der Diener Jesu Christi werden. Er wird dann errettet von der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des teuren Gottessohnes "Welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes."
Dieser Freibrief ist mit der Feder geschrieben worden, der in das kostbare Blut Jesu Christi getaucht wurde.
Ein britischer Händler fühlte sich einmal gedrungen, einen mohammedanischen Sklaven zu kaufen, mit dem er bekannt geworden und für den er großes Mitgefühl empfand. Der Preis wurde von seinem Herrn angenommen. Der Sklave, der von der wohlmeinenden Absicht seines Käufers keine Ahnung hatte, rief unwillig aus: "Sie wollen ein freier Brite sein und einen Abscheu gegen Sklaverei haben, und doch kaufen sie mich? Habe ich nicht dasselbe Recht auf Freiheit wie sie selbst!" Der Händler schaute ihn voller Güte an und sagte: "Ich habe dich gekauft, um dich zu befreien." Sogleich legte sich der Sturm der Entrüstung in der Brust des Sklaven; er brach in Tränen aus, fiel seinem Befreier zu Füßen und sagte: "Sie haben mein Herz gewonnen! Ich will ihr Sklave sein für immer!"
Jesus Christus hat uns gekauft und uns befreit. Alle, die sich dieser Freiheit erfreuen und erkennen, welcher Preis für diese Segnungen bezahlt worden ist, werden ihr ganzes Herz dem Herrn weihen und für immer sein Diener sein.
"Einer ist euer Meister, Christus." (Matthäus 23,8)
Leider verharren die meisten Menschen heute in der Knechtschaft und dienen der Sünde, obwohl Jesus Christus überall mit lauter Stimme die Freiheit ausrufen lässt. Der Preis für unsere Erlösung bestand nicht in Silber oder Gold oder andern vergänglichen Dingen, sondern in dem teuren Blut Jesu Christi. Jesus legte sein Leben für uns dahin, ein Ersatz für unser Leben; ein Opfer für unsere Sünden; Ein Lamm, daran kein Fehl ist. "Er hat sein Leben in den Tod gegeben." (Jesaja 53,12).
Er ist das "Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt." (Johannes 1,29). Freiwillig gab er aus Liebe getrieben sein Leben völlig dahin, es kostete den Sohn Gottes alles, was er hatte. Das Lebensblut des Mensch gewordenen Sohnes Gottes wurde zu unserer Erlösung geopfert. O Mensch, danke ihm für die Gabe und für die Befreiung. Indem Jesus Christus sein Lebensblut für unsere Erlösung dahin gab, hat er der Welt einen Begriff von der Liebe Gottes gegeben. Jetzt bittet er uns, als Gegenleistung unser Leben und unser Alles in seinen Dienst zu stellen. Dies ist das Wenigste, was wir tun können, wenn wir betrachten, was er alles für uns getan hat. Wie aber lernen wir den Preis unserer Erlösung recht einschätzen? Nur dann, wenn wir uns immer wieder die Szenen des Opferganges vor Augen halten. Unserem Verständnis werden sich immer dann wieder neue Erkenntnisse eröffnen, und wir lernen immer mehr zu verstehen, dass das teure Blut Jesu Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes der Preis unserer Erlösung ist.
Gethsemane
Lassen wir doch den Kampf in Gethsemane an unseren Augen vorüberziehen. Wird unser Herz bei der Betrachtung des größten Kampfes, der je ausgetragen wurde, nicht gerührt? Dieser Kampf ging um uns!
In jenen nächtlichen Stunden dachte der Heiland an dich und an mich und rang um uns, er hat sich für diesen von menschlichen Grausamkeiten begleitenden Opfergang entschieden, damit wir leben können. Wir hören seine Worte: "Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe." (Lukas 22,42). Den schlaftrunkenen Jüngern gibt er den Rat: "Stehet auf und betet, auf dass ihr nicht in Anfechtung fallet." (Lukas 22,46). Dann kam der Augenblick, wo der Menschensohn in die Gewalt der Menschen gegeben wurde. Wie viel Leid, Tränen, Schmerz und Not kann doch ein einziger Tag in sich bergen. Aber jener Tag in Gethsemane überbot alle Schmerzens- und Leidenstage der Menschen. Ein großer Dulder, das Lamm Gottes, litt nicht für seine Schuld! Alles, was der Heiland durchleiden musste, geschah für uns! In seinem unsagbaren Leiden errang er den Sieg für uns und bezahlte den Preis für die Erlösung! Da können wir die Größe der Worte des Propheten Jesaja erfassen, die wir in Dankbarkeit uns einprägen möchten: "Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt." (Jesaja 53,4-5).
Wir können nicht an den gekreuzigten Heiland denken, ohne uns seiner tiefen und schmerzenden Wunden bewusst zu werden, die allein um unseretwillen geschlagen wurden. Dornen, Peitschenhiebe, Backenstreiche, angespien, verhöhnt und verspottet, Beschimpfung, zerschlagen und von Nägeln durchbohrt, und wie er dürstend rang um meine und um deine Seele. O, gab es je Leiden und Schmerz gleich denen, die der Heiland ertrug? Darum ergeht an uns die ernste Mahnung: "Um den Wert der Erlösung in seiner ganzen Größe zu erkennen, ist es notwendig, ihren Preis zu wissen. Viele Menschen schätzen das große Werk der Versöhnung nur wenig, da sie sich von dem Leiden Christi kaum eine Vorstellung machen können. Der herrliche Plan, die Menschheit zu erlösen, wurde geboren aus der unermesslichen Liebe Gottes, unseres Vaters. Dieser göttliche Plan beweist die wunderbare Offenbarung der Liebe Gottes zur gefallenen Menschheit. Diese Liebe, die in der Hingabe des geliebten Gottessohnes offenbart wurde, setzte die heiligen Engel in Erstaunen." (Ellen G. White, Schatzkammer Band 1, Seiten 199-200).
Wer kann die Liebe begreifen, die sich hier offenbart!
"Der Preis für die Erlösung der Menschheit wurde bezahlt, als er am Ende seines Ringens die Worte sprach: Es ist vollbracht!" (Ellen G. White, Schatzkammer Band 1, Seite 212).
Das Geschehen auf Golgatha ruft tiefste innere Bewegung hervor
"Nie und nimmer werden wir die Länge, Breite, Höhe und Tiefe dieser wunderbaren Liebe ergründen können. Die unvergleichliche Liebe des Heilandes sollte unsere Gedanken ganz in Anspruch nehmen, unser Herz anrühren und erweichen, unsere Neigungen läutern und veredeln und unser ganzes Wesen völlig umgestalten." (Ellen G. White, Schatzkammer Band 1, Seite 212).
Ernst sind darum die Fragen, die die Worte des Geistes der Weissagung heute an uns alle richtet: "Was wird in Anbetracht des unvorstellbaren Preises, für den die Erlösung erkauft wurde, das Schicksal derer sein, die dies Heil geringschätzen? Welche Strafe werden die empfangen, die sich Christi Nachfolger nennen und doch unterlassen sich in demütigen Gehorsam den Forderungen ihres Heilandes zu beugen, die nicht als gehorsame Jünger Christi das Kreuz auf sich nehmen und ihm von der Krippe bis nach Golgatha folgen?" (Ellen G. White, Schatzkammer Band 1, Seiten 212.213).
"Hat dich das Opfer, das auf Golgatha gebracht wurde, so tief ergriffen, dass du bereit bist, alles andere der Seelenrettung unterzuordnen?" (Ellen G. White, Schatzkammer Band 1, Seite 295).
Denkt an Gethsemane, wo Christi Schweiß wie große Blutstropfen zu Boden fiel! Denkt an Golgatha, wie Jesus am Kreuz all die schrecklichen Stunden im Todeskampf hing, bis die Engel vor dieser entsetzlichen Szene ihre Angesichter verhüllen und die Sonne ihren Schein verbarg! Die Juden sagten: Andere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Jesus hätte sich retten können, aber hätte er es getan, hätte er dich und mich nicht retten können. Er blieb am Kreuz hängen und starb dort.
Geopfert für seine Kinder
Ein großes Miethaus im Armenviertel einer Stadt war in Brand geraten. Im obersten Stock des brennenden Hauses befand sich ein Vater mit seinen drei Söhnen. Es gab keinen Weg des Entrinnens. Der Vater trat an das Fenster. Er sah, dass wenn er sich tüchtig streckte, er ein Fenster im Nebenhause erreichen konnte. Sogleich rief er die Jungen und ließ sie über die Brücke klettern, die er mit seinem Körper geschlagen hatte. Der letzte kleine Junge hatte gerade über seinen Vater kletternd das Nachbarhaus erreicht, als des Vaters Kraft versagte und er auf das Straßenpflaster hinabstürzte. Er hatte seinen Leib für seine Söhne gegeben und die Kluft zwischen Leben und Tod überbrückt.
Jesus hat auch seinen Leib gegeben, um die Kluft zwischen Himmel und Erde zu überbrücken, so dass wir zurück zu Gott klimmen können. Denkt an diese Begebenheit und fragt dann, ob der Weg zu schmal ist. Nein, niemals! Das Wort Gottes ruft uns heute zu: "Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet." (Jesaja 49,16). Ja, in diesen treuen Erlöserhänden sind wir gezeichnet.
Eine ernste Begebenheit soll uns annähernd zeigen, was die Liebe vermag.
"Cromwell, der unerbitterliche, doch gerechte Protektor Englands, hatte auch über Richard N. um Aufruhrs willen das Todesurteil gesprochen. Vergeblich hatte die bleiche Gattin des Verurteilten den harten Sinn Cromwells zu erweichen versucht. Trostlos wankte die unglückliche Frau heim. Unbarmherzig schlug die Turmuhr. Sobald der letzte Schlag die 6.Stunde angezeigt hatte, musste das Abendläuten einsetzen, und dies war das Zeichen, dass der Gatte sterben sollte. Die ehernen Töne der Glocke sollten dem Henker auf dem nahen Hügel das Zeichen geben, den tödlichen Streich zu tun. In atemloser Angst eilte die Frau die Turmtreppe hinauf. Starr blickte sie auf die herzlose Glocke. Sie durfte nicht läuten! Ein Freudenschreck durchzuckte sie. Ich halte den Klöppel, so kann die Glocke nicht läuten, so stirbt er nicht. Mit der Kraft der Liebe führte sie ihren Vorsatz durch. Das schwere Eisen schlug an den Glockenrand. Die Frau aber ließ nicht los. Der Klöppel zerschlug ihre Arme und Hände. Aber die Glocke schwieg. Stirnrunzelnd und um Aufklärung fragend, blickte Cromwell vom Gerichtsplatz zum alten Kirchturm. Da durchbricht eine totenbleiche Frau die Menge und stürzt dem Protektor zu Füßen, indem sie ihre zerschlagenen, blutenden Hände zu ihm emporhebt. Herr, so schreit sie, die Abendglocke hat geläutet. Aber seht - hier! Mein Mann ist frei! Cromwell erkundigte sich, erfährt die Zusammenhänge, und von dem Mut der Frau überwältigt, zeigt er seinen Großmut, indem er den Verurteilten begnadigt. Was für eine gewaltige Sprache reden die Hände dieser liebenden Frau! Der Gewalt dieser Sprache konnte sich selbst Cromwell nicht entziehen."
Welch eine erschütterndere, überwältigendere Sprache reden aber die Hände unseres Erlösers? In die blutenden Hände deines Erlösers wurde auch dein und mein Name eingeschrieben. In diesen Händen steht unser Name und liegt unsere Erlösung begründet. Die Sprache dieser Hände spricht uns frei! Jeder Sünder ist in seinen Augen äußerst wertvoll, weil er für einen jeden sein Blut vergoss. Das Blut, der Preis unserer Erlösung, ist es, das uns dem Herzen Gottes so wertvoll macht. Seine Gemeinde ist mit seinem eigenen Blut erkauft (Apostelgeschichte 20,28). In der Wirksamkeit und Kraft des Lebensblutes Jesu allein liegt unsere Hoffnung auf ewiges Leben; denn die am Ende des Sieg erhalten haben, stehen jubelnd um den Thron Gottes, denn sie "haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes." (Offenbarung 7,14).
Werde ein Überwinder!
Um das ewige Leben zu ererben, müssen wir die Welt, das Fleisch und den Teufel überwinden. Wie können wir ein Überwinderleben führen? Gott entwickelte einen wunderbaren Plan, durch den jeder gerettet werden kann. Dieser Plan macht es möglich, für alle vergangenen Sünden Vergebung zu erlangen. Das Evangelium ist die Kraft Gottes, die Gott jedem gläubigen Kinde verliehen hat, um ein Leben des Sieges zu führen, wie wir es in Römer 1,16 lesen:
"Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen."
Wir hören dort den Apostel Paulus, wie er sein Zeugnis ablegt: Das Evangelium Christi bringt uns Erlösung von der Sünde und hilft uns zu überwinden.
"Wir können überwinden. Ja, voll und ganz. Jesus starb, um uns einen Weg des Entrinnens zu bahnen, damit wir unser übles Temperament, jegliche Sünde, jede Versuchung überwinden möchten, um uns zuletzt mit ihm niederzulassen." (Ellen G. White, Testamonies Band 1, Seite 144).
Lasst uns Gott für diesen wunderbaren Plan der Erlösung danken. Jesus ist unser Helfer. Wenn Satan oder seine Engel mit ihren Versuchungen kommen, können wir siegreich bleiben wie Jesus. Das Einzige, was wir zu tun haben, ist, im Glauben zu beten, und von den mächtigen Legionen des Himmels wird Hilfe kommen. In der Offenbarung erscheint der erhöhte Jesus 29 Mal als geschlachtetes Lamm. Jesus als das Lamm, das sich für seine Gemeinde geopfert hat, schenkt ihr das Leben und lässt sie überwinden. Er ist aber auch der Sieger über alle gottlosen und widernatürlichen Mächte und erweist sich am Ende als der Herr über alles, was sich mit seiner Gemeinde bei der Hochzeit des Lammes in Ewigkeit verbinden wird. "Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und sein Weib hat sich bereitet." (Offenbarung 19,7).
Möchte Gott uns die Gnade schenken, dass wir allezeit bedenken möchten, was unsere Erlösung dem Himmel gekostet hat. Amen.
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