Ruhe und Stress
Stress - die Zivilisationskrankheit schlechthin. Er ist oftmals die Ursache für viele psychische und körperliche Krankheiten. Was Stress wirklich ist und welche Gefahren er birgt, zeigt dieser Artikel.
Im letzten Artikel sprach ich die 7 Heilfaktoren an. Heute möchte ich mit "Ruhe" beginnen, denn jeder ist mit Hektik und Stress am Arbeitsplatz konfrontiert. Zuerst einmal eine Frage: Was hat der Mensch am wenigsten und was braucht er am meisten?
Die Antwort lautet: Er hat am Wenigsten Zeit und braucht mehr Ruhe. Geht es Ihnen nicht auch so, je älter man wird, desto schneller vergehen die Tage, man könnte meinen die Tage haben mit zunehmendem Alter immer weniger Stunden.
Ich möchte heute über Ruhe und Stress reden; also von dem Einen hat man zu wenig und vom Anderen zu viel.
Stress
Was ist Stress? Ist Stress grundsätzlich nur etwas negatives, das es zu vermeiden gilt oder ist Stress sogar für uns sehr wichtig? Stress ist ein überlebensnotwendiger Vorgang. Dabei wird das besonders wichtige Stress-Hormon Cortisol ausgeschüttet, das Herzschlag, Blutdruck und Atemfrequenz ansteigen lässt. Das Blut wird von weniger wichtigen Regionen in die Muskulatur geschickt, und die Energie in Form von Blutzucker bereit gestellt. Tritt wieder der Normalfall ein, so werden Neurotransmitter, Hormone und Botenstoffe wieder heruntergefahren.
Wir wollen möglichst jede Minute nutzen, wir wollen die Zeit in den Griff bekommen, ausschöpfen, keine Sekunde verlieren. Keine Zeit zu haben, kann aber auch krank machen. Nämlich dann, wenn einem Menschen die Aufgaben über dem Kopf wachsen, er Verpflichtungen hinterherhetzt, denen er nicht gerecht zu werden fürchtet. Stress ist ein lebenswichtiger Vorgang, ein natürlicher Reaktionsmechanismus. Nun, welche Dinge können uns stressen?
Meistens sind es die kleinen Dinge im Alltag: andauernder Lärm, Reizüberflutung, Lichtreflexe usw. Aber was für den Einen normal ist, kann für den Anderen zu einer starken Belastung werden.
Es gibt 2 Arten von Stress:
- Es gibt den Eustress: Es gibt Menschen, die brauchen den Stress und erleben ihn auch positiv, haben Freude an der Belastung, am Einsatz und Anforderungen.
- Sobald aber das Gefühl eintritt, gehetzt und überfordert zu sein und die Anforderungen nicht erfüllen zu können, verwandelt sich der gesunde Eustress in negativen Disstress.
Aber auch früher waren die Menschen ge- bzw. überfordert - nur aus anderen Gründen natürlich. Es ist dies also keine neuzeitliche Erscheinungsform.
Abschalten zu können ist wichtig
Öfter einmal ganz abschalten wäre eine gute Idee, um den negativen Stress zu vermeiden. Aber wenn man den Schalter nicht findet? Das Gefühl für die richtige Dosis Ruhe ist weg, schlimmer noch: Wie das mit der Ruhe überhaupt geht, auch darüber herrscht große Ratlosigkeit.
Selbst wenn einmal die Situation eintritt, wo man Zeit für sich allein hätte, was tut man in dieser Zeit? In die Natur gehen und bewusst die verschiedenen Farben, die uns Gott in seiner Schöpfung alle Jahre neu schenkt, betrachten? Lesen wir ein gutes aufbauendes Buch? Setzen uns ein wenig nieder, schließen die Augen und sprechen wir mit unserem Heiland? Wenn wir wirklich einmal Zeit für uns selbst hätten - ein paar Minuten oder vielleicht sogar einen ganzen Tag, was machen wir mit dieser kostbaren Zeit? Wie gestalten wir sie?
Ist es nicht so, dass man daran denkt, was man jetzt für Arbeiten verrichten könnte - Brot backen, Fenster putzen, Wäsche bügeln, Marmelade kochen, Säfte einkochen... Dann ist es wieder Abend und man fällt todmüde ins Bett. Und was wird aus dem Abendgebet???
Heute gibt es zwar für Frauen, Männer und Kinder viel mehr Zeit, die als Freizeit deklariert werden kann - aber auch ein übergroßes Angebot an Freizeitaktivitäten, dass es wieder zu einem Holiday Stress kommt. Der "Holiday-Blues", also die durch Entscheidungsvielfalt und ungewohntes "Auf-sich-gestellt-sein" ausgelöste Urlaubsdepression, gehört in den USA bereits zu den psychiatrischen Fachbegriffen.
Die Unsicherheit bei der Freizeitgestaltung rührt auch daher, dass Sinn und Zweck von Mußestunden nicht so leicht zu erkennen sind. Arbeit bringt Geld und sozialen Status, Ruhe soll auch etwas nützen, und daher werden an die Mußestunden ebenfalls Leistungskriterien angelegt. Und das ist aus ärztlicher Sicht auf alle Fälle abzulehnen.
Stress schwächt den Körper
Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Stress und Immunsystem.
Gehirn
Wenn belastende Situationen über längere Zeit anhalten, kann es zu erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen kommen. Die chronische Ausschüttung des Stress-Hormons Cortisol kann die Funktion der Hirnregion "Hippokampus" beeinträchtigen. Dieser kann schrumpfen. Die Folgen sind Konzentrationsstörungen und schlechteres Gedächtnis. So genannte Cytokine zerstören Nervenzellen, können sogar zur Zellzerstörung im Gehirn führen.
Die Verspannung der Skelettmuskulatur, besonders der Nackenmuskulatur - hervorgerufen durch ständige psychische Belastung - hemmen den Blutfluss zum Gehirn, was chronische Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen sowie Migräne verursacht. Diese ständigen Schmerzen verursachen ihrerseits wiederum einen ständig erhöhten Adrenalin- und Cortisolspiegel.
Magengeschwür
Das Hormon Noradrenalin verengt die Blutgefäße der Verdauungsorgane. Die schlechtere Durchblutung macht es Krankheitserregern leichter, sich zu vermehren. Darüber hinaus reagiert der Magen im Stress empfindlicher auf Säure.
Blutgefäße
Chronisch erhöhter Blutdruck führt dazu, dass sich weiße Blutkörperchen an den Innenwänden der Blutgefäße absetzen und sich dort entzünden. Blutklümpchen, Fett und Zucker können zu Arteriosklerose und Infarkten führen.
Geschlechtsorgane
Cortisol hemmt die Testosteronausschüttung, das sexuelle Interesse sinkt; bei Frauen kann der Menstruationszyklus gestört werden.
Vegetatives Nervensystem
Das vegetative Nervensystem ist für die Leistungsregulation des Körpers zuständig. Durch Stress kommt es zu Veränderungen des vegetativen Nervensystems. Das bedeutet Überlastung des Kreislaufs, Erhöhung des Infarktrisikos, allgemeine körperliche Erschöpfung, Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten.
Fehlende Erholung führt irgendwann zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, depressiven Verstimmungen, Ängsten, Gereiztheit, Aggressivität und Schlafstörungen.
Ruhe
Arbeiten ist wichtig - auch unseren ersten Eltern gab Gott Arbeit, wie zum Beispiel den Tieren und Pflanzen Namen zu geben. Nach dem Sündenfall mussten sie aus dem Garten Eden heraus und "im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde wirst". Aber wie unterschiedlich war die Arbeit im Paradies und danach!
So wie Arbeit also wichtig ist, ist auch die Ruhephase sehr wichtig. Es soll ein harmonischer Wechsel zwischen Entspannung und Arbeit sein, der einem natürlichen Rhythmus entspricht und der nicht dauernd gestört wird. Richtige Erholung und Entspannung sind nur bei äußerer und innerer Ruhe möglich. Leider leben wir aber inmitten einer Umwelt, die es uns immer schwerer werden lässt, äußere und innere Ruhe zu finden.
Äußere Ruhe
Die äußere Ruhe wird beeinträchtigt durch Lärm. Die Lärmüberflutung reißt Tag und Nacht nicht ab und so wird das beste Nervenregenerationsmittel - nämlich der Schlaf - unterbrochen. Die Zahl der Lärmkranken steigt ständig.
Lärm vermindert die Arbeitsleistung. Aber auch gesundheitliche Nebenwirkungen hat der Lärm: Vermehrte Ausschüttung des Hormons Adrenalin aus dem Nebennierenmark. Es kann ferner zu einer übermäßigen Reizung des Gleichgewichtsorgans und dadurch zu Gleichgewichtsstörungen mit Schwindel und Erbrechen kommen. Die Muskelspannung wird erhöht, was eine starke Ermüdung und eine Veränderung der Schlaftiefe zur Folge hat. Weiters können auch Kreislaufstörungen, Blutdrucksteigerungen und Herzrhythmusstörungen als Folge von Lärm auftreten.
Innere Ruhe
Daran mangelt es sehr vielen Menschen heute. Der Feind der inneren Ruhe ist die Unrast. Unser Leben spielt sich in einem immer höheren Tempo ab. Wir sind rastlos, immer auf dem Sprung etwas erleben zu müssen, denn wir könnten ja was versäumen und haben immer weniger Zeit für uns selbst. So kommt es, dass wir auch im Urlaub immer Unterhaltung brauchen. In den Urlaubsorten werden immer mehr Freizeitanimateure gebraucht, um die Gäste zufrieden zu stellen. Der Urlaubsgast kann oft nicht einmal mehr im Urlaub sich selbst beschäftigen - es muss immer was los sein.
Bald kommt es, dass wir immer mehr Angst vor der Ruhe und vor der Stille haben; Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem Leben, Existenzangst, Angst vor dem Älter werden, Angst vor einer drohenden wirtschaftlichen oder politischen Veränderung, und sogar der Sinn unseres Lebens wird hinterfragt. Die Unruhe bleibt der durchgehende Lebensstil unserer Tage, zuerst erzwungen, dann freiwillig übernommen, weil man von ihr nicht mehr loskommt.
Aber wie findet man nun die äußere und innere Ruhe?
Äußere Ruhe findet man in seiner Wohnung oder Haus oder im Garten, auf den Bergen, also in der Natur.
Um die innere Ruhe zu finden, muss zuerst die äußere Ruhe gegeben sein. Dann folgt der zweite Schritt, indem man zuerst einmal "sich selbst findet". Sehr wichtig ist die Einhaltung eines Ruhetages pro Woche. Bei richtiger, planmäßiger Arbeitseinteilung müssten sechs Arbeitstage reichen. An diesem einen - siebenten Tag - sollte man die Arbeit, ungelöste Probleme, Sorgen und Lasten des Lebens vergessen. Man sollte entspannt, entkrampft, und sich lösend von vielen Dingen den Tag verbringen. Dazu hat uns Gott den Sabbattag gegeben, damit wir von all der äußeren und inneren Unruhe ruhen können.
Wie schauen unsere Abende aus? Fernseher, Radio, einen spannenden Krimi lesen usw. Da kann die Seele keine Ruhe finden- unmöglich. Die Nerven werden wieder nur aufgepeitscht. Aber am Abend ein geistliches Buch gelesen, mit dem Herrn sprechen und Ihm vertrauensvoll all die Sorgen und Probleme in Seine Hände legen, DAS entspannt. Es gibt nichts besseres, als wenn man weiß, dass sein Kind mit dem Auto oder Motorrad unterwegs ist und man kann es in Gottes Hände legen. Wie wunderbar kann man dabei schlafen!
Wenn wir krank sind, gehen wir zu einem Arzt. Der stellt fest, dass diese Krankheit ihren Ursprung psychosomatisch ist und schickt sie zu einem Arzt, der auch die Seele mit einbezieht. Auch dieser kann sehr oft nicht helfen, entweder weil es ihm selbst nicht besser geht oder weil auch er die tiefsten Krankheitsursachen nicht erfassen kann. Und so fügt man sich dem Schicksal einer chronischen Krankheit.
Oft sind die Krankheitsursachen noch einen Schritt tiefer in der Seele. Da werden sogenannte Entspannungsübungen angeboten, man sucht sich zu helfen durch eine Kraft, die in uns selbst sein soll. Aber wenn schon alles krank ist, wo hole ich die Kraft nur her? Selbstheilungskraft aktivieren, so heißt es doch!
Ich hörte im Radio mehrere Sendungen über Schamanen. Diese Menschen stehen hoch im Kurs, weil sie mit den unsichtbaren Geistern in Verbindung stehen und mit Hilfe dieser Geister heilen sie die Menschen.
Doch wo bleibt der große Allwissende, liebende Schöpfer, der den Menschen geschaffen hat?
"Komm du her zu mir, der du mühselig und beladen bist, ICH alleine - der wahre Friedensfürst - kann und will dir Frieden geben, Ruhe geben - Stille geben" (nach Matthäus Kapitel 11, Vers 28).

