Wie komme ich zum Ziel?

Vom toten zum lebendigen Glauben

Manchmal fühle ich mich von meinen eigenen Sünden erdrückt. Ich komme mir wie ein kleines Kind vor, dumm und manchmal unwillig, zu lernen. Am schlimmsten sind die Sünden, die immer wieder kommen, ganz gleich, wie sehr man sich bemüht, von ihnen loszukommen. Es gibt so viele Dinge in meinem Leben, die nicht richtig sind, und ich weiß das. Doch im nächsten Moment tapse ich wieder in genau die gleiche Sünde, um die ich gerade um Vergebung gebeten habe.

Vielleicht passiert mir das deshalb, weil ich die Sache von der falschen Seite angehe? Ich versuche immer, die Sünde direkt zu packen und auszureißen, wie eine Pflanze. Doch je mehr ich daran ziehe, umso stärker wird sie.

In letzter Zeit hab ich durch Zufall ein paar Bibelstellen und Gedanken gefunden, die genau dieses Problem ansprechen. Um es zusammenzufassen: Es geht nicht darum, dass wir gegen die Sünde kämpfen. Auch nicht, dass wir die Arme verschränken, uns zurücklehnen, und zu Jesus sagen: "Mach du nur". Nein, als allererstes muss einmal unser Herz umgewandelt werden.

Hm, dieser Satz klingt in der Theorie doch schön, oder? Nur, wie kann man das wirklich machen, im praktischen Leben? Es ist wie mit einer geplanten Reise: Man weiß wo man sich gerade befindet, und man kennt das weit entfernte Ziel. Was man nicht weiß ist, wie man dort hinkommen soll. Man hat dafür keine Landkarte und keine Wegbeschreibung. Man weiß nur, dort will ich hin. Aber wie?

Die richtige Richtung

Eines nach dem anderen. Als allererstes muss ich wissen, in welche Himmelsrichtung ich meinen ersten Schritt setze.

Und genauso ist es im Glaubensleben. Einmal eine Frage an dich (ich hab ja schon genug von mir erzählt, jetzt bist du dran): Hast du schon eine echte Erfahrung mit Jesus gemacht (und ich meine jetzt nicht ein Gebet, dass in Erfüllung gegangen ist)? Oder bist du nur dabei, weil deine Eltern zum Gottesdienst gehen, oder weil du dort deine Freunde siehst? Ich sage dir ganz ehrlich: Falls dem so ist, dann gibt es ein Problem. Es ist kein echter Glaube. Das kann ich sagen, weil es mir bis vor kurzem so gegangen ist.

Von der Theorie zur Praxis

Wie kann man Erfahrungen mit Jesus machen? Nun gut, man kann einmal ernstlich darum beten, dass Gott einem lebendige Erfahrungen schenkt. Und dann ist da das Gebet selbst. Ich habe lange gebraucht, um wirklich "richtig" beten zu können (zugegeben, manchmal gibt es auch heute noch Zeiten, wo ich darum beten muss, dass ich richtig beten kann.). Vorher war mein Gebet eher ein Selbstgespräch, ein herunterrattern einer "Einkaufsliste" und ein Wiederholen immer derselben Worte. Erst seit kurzem kann ich wirklich aus vollem Herzen zu Jesus kommen und mit ihm reden, wie mit einem Freund. Und ich habe gemerkt, wie sich dadurch vieles verändert hat. Ich beziehe ihn viel mehr in mein Leben ein. Und wenns nur bei Kleinigkeiten ist. "Ach Herr, bitte lass mich den Bus noch erwischen" oder so. Aber dadurch rede ich viel öfter mit ihm.

Deshalb tu ich mir auch schwer, vor anderen zu beten. Das Gebet ist ein ganz persönliches Gespräch zwischen mir und Jesus geworden. Ich habe meine eigene Art, mit ihm zu sprechen, und ich kann es mit freiem Herzen tun. Und was ich ihm sage, ist nur für ihn bestimmt. Wenn ich jetzt öffentlich beten muss, fühle ich mich in eine vorgegebene Form gepresst, ich muss wieder formal und unpersönlich werden. Und es fällt mir schwer, nur das zu sagen, was die anderen von mir erwarten (ich kann mich noch lebhaft an die Vorträge erinnern "Wie man richtig betet". Und in diesen Vorträgen ist es genau um das Beten nach einem Kochrezept gegangen, von dem ich gerade gesprochen habe).

Hören, was Gott sagt

Wenn du mit Gott sprichst, wirst du auch hören wollen, was er zu sagen hat. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Die Bibel, Andachten, Predigten, Gesprächskreise, ...

Aber es bringt nichts, wenn man zwar in der Bibel liest oder bei Predigten zuhört, aber sich nicht die Zeit nimmt, darüber nachzudenken und das gelesene in sein Leben aufzunehmen. Nur allzu oft spule ich die Andachten schnell runter, um so schnell wie möglich wieder Zeit für andere Dinge zu haben. Oft bin ich mit den Gedanken gar nicht richtig beim Lesen der Andacht oder der Bibelstellen. Und sobald ich das Buch zuklappe, hab ich auch schon wieder vergessen, was ich gerade eben gelesen habe. Hauptsache, ich habe meine Pflicht erfüllt und die Andacht gehalten. Doch bringt mich das Jesus näher? Ich wünsche mir aufrichtig, dem Charakter Christi ähnlicher zu werden, doch dazu bedarf es wohl etwas mehr als das, was ich bis jetzt getan habe. Aber dann ist da oft wieder diese Überwindung, die Bibel aufzuschlagen und zu lesen. Dabei ist kein Buch so vielfältig wie die Bibel. Wie einmal jemand gesagt hat: In der Bibel ist doch alles enthalten: Romantik, Liebesgeschichten, Spannung, Action, Kriegsgeschichten, Geschichtliches, ... einfach alles, was man sich wünschen kann.

Eine Frage des Vertrauens

Gut, jetzt haben wir schon zwei wichtige Dinge: Unser Gespräch mit Gott, und Gottes Gespräch mit uns. Aus dem Monolog ist ein Dialog geworden. Doch das Ganze wäre umsonst, wenn wir aus den Gesprächen nichts lernen. Und eines der wichtigsten (und leider auch schwierigsten) Dinge ist es, sein Leben Gott zu übergeben. Ich würde so gerne Gottes Führung annehmen, doch es fällt mir so schwer. Ich setze mir gern Ziele im Leben und versuche, diese zu erreichen. Einfach ausgedrückt: ich habe gern die Kontrolle über mein Leben. Und ich gebe das Steuer nur ungern aus der Hand. Wenn ich das Steuer an Christus übergebe bedeutet es, dass ich meine eigenen, menschlichen Ziele beiseite lege und mich ganz ihm anvertraue. Egal, wohin er mich auch führt. Und es heißt ja schon in der Bibel: "Gottes Wege sind nicht unsere Wege". Aber Gottes Wege sind die einzig richtigen Wege! Wir haben prinzipiell zwei Möglichkeiten:

1. Entweder setzten wir unseren Kopf durch, verlassen uns auf unsere menschlichen Weisheit und können dann aber auch nicht erwarten, dass alles gut wird (auch wenn es auf den ersten Blick gut aussieht).

2. Oder - und jetzt kommt das wirklich schwierige - wir legen unser Anliegen in Gottes Hände.

Ich will niemanden etwas vormachen. Wenn wir uns für das letztere Entscheiden, wird es oft passieren, dass wir sehr enttäuscht werden, weil es einfach nicht so gelaufen ist, wie wir es uns erhofft und vorgestellt haben. Wir werden vielleicht zutiefst verletzt werden und am Boden zerstört sein. Vielleicht sehen wir auch manchmal keinen Ausweg mehr. Und dann kommt die Frage, warum hat Gott das zugelassen?

Mir ist es oft so gegangen. Ich habe mir manchmal sogar gewünscht, ich hätte mein Anliegen besser selber in die Hand genommen, als Gott zu vertrauen. Doch im Nachhinein, und manchmal hat es Jahre gedauert, habe ich in meinem Leben zurückgeschaut und gemerkt, dass Gottes Weg am Ende doch immer der einzig richtige war.

Ein kleines Beispiel

Nehmen wir an, ich wäre in ein Mädchen verliebt. Ich wünsche mir so sehr, dass wir einmal heiraten, eine Familie gründen, und zusammen alt werden. Ich male mir unsere gemeinsame Zukunft bis ins kleinste Detail aus. Ich bin überglücklich wenn wir zusammen sind, und das Gefühl in meinem Herzen erfüllt meinen ganzen Körper.

Jetzt habe ich wieder die zwei Möglichkeiten:

1. Ich kann die Sache in meine eigene Hand nehmen. Wir kommen zusammen, verloben uns, heiraten und bauen eine Familie auf. Die Jahre vergehen. Im Glaubensleben schaut es längst nicht mehr so gut aus wie am Anfang, denn wie wir uns kennengelernt haben, hat der Partner die erste Stelle im Leben eingenommen. Gott wurde auf Platz zwei verschoben. Doch egal, Hauptsache, wir sind zusammen glücklich. Wir werden zusammen alt, und vielleicht gehen alle unsere Träume wirklich in Erfüllung. Und dann kommt die Zeit, in der Gott uns von dieser Welt abberuft. Wir haben ein erfülltes Leben gehabt, haben uns geliebt, doch eines haben wir vernachlässigt: Gott. Nun werden wir sorgfältig auf der Waagschale Gottes abgewogen. Dann kommt das Ergebnis, das Jesus traurig verkündigt: Wir sind für zu leicht befunden. War es das Wert? Wir haben ein glückliches Leben auf dieser Welt geführt, doch das ewige Leben haben wir verspielt.

2. Gehen wir nochmal an den Anfang zurück. Lege ich das Mädchen (und damit alle meine Wünsche, Sehnsüchte und Träume) in Gottes Hände, riskiere ich es, sie zu verlieren. So etwas tut unendlich weh, und es kann Monate, vielleicht auch Jahre dauern, bis ich es halbwegs überwunden habe. Weiß ich zu dem Zeitpunkt, für was es gut war? Eher wird das Gegenteil der Fall sein: Warum Gott, hast du mir diesen Menschen vorenthalten, den ich so sehr geliebt habe? Gott wird seine Gründe für alles haben. Es ist sein sehnlichster Wunsch, dich glücklich zu sehen. Er kennt deine Gefühle genau und weiß, wie es in deinem Herzen aussieht. Und er weiß noch viel mehr. Auch wenn du nicht dieses eine Mädchen bekommst, wird Gott dir vielleicht Jahre später einen Partner schenken, der genau zu dir passt und dich viel glücklicher macht, als dieses eine Mädchen, von dem du so lange Zeit geträumt hast. Oder aber, er hat andere Wege für dich.

Es mag manchmal hart sein, Gottes Wege zu gehen anstatt die eigenen, aber am Ende gereicht uns *alles*, was Gott für uns vorgesehen hat, zum Guten. Ja, es mag sein, dass du dein ganzes Leben ohne Partner verbringst. Aber dann hat Gott eben etwas anderes, ganz besonderes mit dir vor. Und ist es das nicht Wert, wenn man dafür am Ende ein ewiges Leben ohne Schmerz und Kummer gewinnt?

Diese drei Dinge - zu Gott beten, ihm zuhören, und unser Leben ihm anvertrauen - sind nicht alles. Aber sie sind einmal ein Anfang, um die ersten paar Kilometer dem Ziel näher zu kommen.

Robert Markula, 01. 04. 2003

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