Anbetung und Musik

Einführung

Im Dezember 2001 besuchte ich Österreich, und ich war zu einem jugendlichen Anbetungsgottesdienst in einer evangelischen Kirche eingeladen. Als ich dort eintrat, traf ich eine Versammlung in einem halbdunklen Raum an. Während der Pastor sein Thema predigte, hörte man im Hintergrund Instrumentalmusik mit den Liedern des Mexikaners Luis Miguel. Anschließend lud der Pastor eine junge Tanzlehrerin nach vorne, und sie begann, eine kurze tropische bekannte Tanzklasse zu erteilen, und eine große Anzahl der Anwesenden nahm daran teil. Es wurde eine farbige Lichterkette eingeschaltet und ein Sänger begann zu singen, während Jugendliche dazu den Tanz praktizierten. So begann dieser Musik- und Anbetungsgottesdienst, in einer Umgebung, die einer Diskothek in einer Kirche gleich war. Meine erste Frage war: Ist das die Art und Weise wie wir Gott Lob darbringen sollen?

Was ist Anbetung?

Die Anbetung ist der Ausdruck einer Liebesbeziehung, sie charakterisiert sich durch Intimität und Nähe. Die Anbetung ist sensibel, intim, zart und ruhig. Anbetung kommt vom griechischen Wort proskuneseis, das "niederbeugen, knien, neigen" bedeutet. In Psalm Kapitel 95, Vers 6 werden wir dazu aufgefordert: "Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat." So bedeutet Anbetung "körperliches, bildliches, wie auch geistiges Niederbeugen vor Gott". Er ist der Einzige, der unsere Anbetung verdient. Einem anderen Wesen oder Objekt Anbetung zu geben wäre abscheuliche Abgötterei.

Die echte Anbetung braucht eine tiefe und intime Einstellung. Unsere tägliche Geschäftigkeit bietet nicht den besten Nähegrad für die Anbetung. Darum brauchen wir bei unseren täglichen Andachten Zeit, um unsere Gedanken und Herzen zu beruhigen, damit wir mit Gott Verbindung pflegen können. So braucht es für die Anbetung ein "Präludium", ein Weg durch den wir einen Wechsel vom Materiellen zum Geistlichen, von den körperlichen Sinnen zur geistlichen Empfindsamkeit herstellen können.
Der Psalmist gibt uns eine effektive Steigerung wenn er sagt, "Kommet in seine Tore mit Lob, in seine Vorhöfe mit Lobgesang! Lobet ihn, preiset seinen Namen!" (Psalm 100,4).

"Oft brachte er die Freude seines Herzens zum Ausdruck, indem er Psalmen und geistliche Lieder sang. Dann wieder hörten die Einwohner Nazareths seine Stimme sich in Lobpreis und Danksagung zu Gott erheben. Durch seinen Gesang hielt er Verbindung mit dem Himmel, und wenn seine Gefährten von ihrer Arbeit müde wurden und klagten, ermunterte er sie durch die lieblichen Weisen aus seinem Munde. Sein Lobpreis schien die bösen Geister zu bannen und seine Umgebung wie der Weihrauch mit Wohlgeruch zu erfüllen. Die Gedanken seiner Zuhörer wurden aus ihrer irdischen Gebundenheit in die himmlische Heimat versetzt." (Ellen G. White, Das Leben Jesu, Seite 56-57).

Der Zweck der Musik

Im Alten Testament wurde Saul wegen seines Ungehorsams vom bösen Geist gepeinigt. Trotzdem half es dem Saul, wenn David seine Musik spielte, dass er dabei eine Befreiung verspürte. Die Bibel erklärt, "wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, so nahm David die Harfe und spielte mit seiner Hand; so erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm." (1.Samuel 16,23). Saul fühlte sich körperlich erleichert, und wurde im Verstand geheilt und geistlich befreit.

Die Musik, unabhängig vom Text, befreit oder versklavt uns geistlich. Das Wort "Musik" kommt von muse und bedeutet "betrachten, gut denken; in Stille studieren". Als Gott die Musik schuf, gab er uns ein Mittel um unsere Liebe zu Jesus auf intelligente und bedeutungsvolle Art auszudrücken. In der Musik werden drei Schlüssel unterschieden: die Melodie, Harmonie und Rhythmus. Die Grundelemente der Musik erklären uns im Detail wie Saul positiv durch Davids Lob beeinflusst wurde.

Das Wort Melodie kommt aus dem Griechischen melos und bedeutet "Sänger von Lobliedern". Epheser 5,18.19 wie auch Kolosser 3,16 sprechen über "singt in euren Herzen dem Herrn". Die Musik ist für unsern Verstand geschrieben, denn sie ist ans Wort gebunden und wird durch die Botschaft im Lied angehoben oder gedämpft. Das Wort Harmonie kommt aus dem Griechischen harmos und bedeutet "Platz der Vereinigung", sie verbindet die Seele mit dem Verstand des Gläubigen. Die Verwandlung unseres Lebens in das Bild Christi geschieht durch die Erneuerung unseres Verstandes. Das Hören einer passenden harmonischen Musik widerspiegelt den Frieden. Den erhalten wir, wenn wir uns nach Gottes Willen richten und uns mit Gott versöhnen.

Das Wort Rhythmus kommt aus dem Griechischen rheo und bedeutet "fließend, Pulsschlagen", das direkt mit dem Körper getan wird.

So ist also die Musik der Ausdruck unseres ganzen Wesens wenn wir Gott und Jesus Christus unsern Herrn anbeten. Die Musik, die wir uns gewohnheitsmäßig anhören wird uns entweder erbauen, oder hindert uns an einer konstanten christlichen Lebensweise. Der Buchstabe, der Musikkompass und die Harmonie sind alle dazu da, unsere Anbetung auf schöne und wunderbare Weise auszudrücken.

Wenn die Melodie, Harmonie oder der Rhythmus von der Form wie Gott sie zur Anbetung eingerichtet hat abweicht, sind wir gefangen, und wir leben von Gefühlen, Nerven oder Adrenalin, anstatt von der Macht und dem Frieden Gottes.

Anbetung die Gott gefällt

Der Vers aus Psalm 47, 6 wiederholt vier mal das Verb "singen", "Lobsinget, lobsinget Gott; lobsinget, lobsinget unserm König!" Es ist eine der passendsten Arten, um zu zeigen dass wir unsern Schöpfer anbeten. Die Musik misst der Anbetung einen solchen Wert zu wie das Wasser der Erde oder die Luft dem Menschen.

In den Gemeinden erklingt vor dem Gottesdienstbeginn Musik. Das kann ein musikalisches Präludium sein, aber in den meisten Fällen ist es die Zeit um in der Versammlung Lieder und Gesänge anzustimmen, während man sich für die Anbetung vorbereitet. Ellen G. White schrieb dazu eine Empfehlung: "Musik bildet einen Teil der göttlichen Anbetung in den himmlischen Höfen. Wir sollten in unserem Lobgesang bestrebt sein, dem Wohlklang der himmlischen Chöre so nahe wie möglich zu kommen. Es hat mir oft Schmerzen bereitet, unausgebildeten Stimmen zuzuhören; Stimmen, die in den höchsten Tonarten sangen, um buchstäblich die heiligen Worte einiger Loblieder zu kreischen. Wie unangebracht sind diese scharfen, krächzenden Stimmen für die feierliche Anbetung Gottes. Ich sehne mich danach, meine Ohren zu schließen oder fliehe von dem Ort und frohlocke, wenn die schmerzhafte Übung beendet ist."
"Die den Gesang zu einem Teil göttlicher Anbetung gestalten, sollten Lieder auswählen, die der Gelegenheit angepasst sind, nicht Trauergesänge, sondern frohe und feierliche Melodien. Die Stimme kann und soll modelliert, sanft und gedämpft sein." (Ellen G. White, Signs of the Times vom 22. Juni 1882).

Es ist klar dass die Predigt einen sehr wichtigen Teil der Anbetung einnimmt, und die Musik füllt alles noch aus: sie gibt der Predigt einen Zusammenhang, betont den Gottesdienst und bleibt bei jedem Zuhörer wenn er nach Hause geht. Das ist gerade das Wunderbare bei der Musik und Anbetung.  Sie bleibt bei uns, und bringt uns die Gegenwart Gottes nahe, der uns in unseren Kämpfen begleitet und mitten unter uns ist. Die Botschaft des Liedes oder Gesanges wird in den Momenten wieder wachgerufen, wenn wir vom Arzt eine schlechte Nachricht bekommen, wenn wir wegen zerbrochener Freundschaften weinen, wenn wir  gegen die Ungerechtigkeit kämpfen, wenn wir in Krankheit oder sogar vor dem Tode stehen. Durch das Lied ist Gott in jedem Moment anwesend, und wiederholt in uns die Botschaft, die lebendig ist und uns hilft, wieder aufzustehen und mit Hoffnung weiterzukämpfen.
Egal wie ansprechend die Predigt war, man kann sie so leicht wieder vergessen. Die Musik aber bleibt trotzdem hängen. Der Gesang, der die volle Botschaft unseres Herrn trägt, hilft uns nicht nur unseren Geist zu ernähren, sondern uns auch bewusst zu sein, dass wir ein Teil des Körpers sind. "Durch Loblieder aus einem reinen Herzen, das mit Liebe und Hingabe zu ihm gefüllt ist, wird Gott verherrlicht." (Ellen G. White, Testimonies for the Church Band 1, Seite 509).

Schlussfolgerung

Liebe Jugend! Bist du mit gebrochenem Herzen? Bist du durch körperliche oder geistige Leiden eingeschränkt? Bist du in deinem eigenen geistlichen Gefängnis? Bist du unfähig wieder zu lachen oder Gott dankbar zu sein? Ist dein Geist fröhlich oder empfindet er Frustrierung? Lobe Gott! Die Wege Gottes sind Wege des Lobpreises!

Wikler Morán, USA, 18. 09. 2005

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