Singen mit Verstand

Die Bedeutung der Musik

Unsere Art und Weise des Singens übt auf uns und die andern einen mächtigen Einfluss aus. Viele Personen sind durch das Anhören eines Liedes bekehrt worden. Immer wenn sich Gläubige versammeln um den Namen Gottes anzubeten, und Lieder zum Himmel zu erheben oder um andere Gläubige singen oder spielen zu hören, dann wird die Seele geistlich ernährt. Viele gute Entscheidungen werden in diesen Momenten getroffen; der Geist entspannt sich, das Herz wird besonders empfänglich und ist bereit, das Brot des Lebens in der Predigt zu empfangen, das jede Faser, Muskel und Knochen des geistlichen Organismus ernährt.

Denken wir daran, dass die Melancholie, die Saul umgab, sich legte, als David Musik spielte; Lieder und Musik waren auf der Pilgerreise des Volkes Israels immer gegenwärtig; Musik und heilige Lieder wurden in den Prophetenschulen gelehrt. Im Tempeldienst wie auch, wenn sie unterwegs waren, umgaben wunderschöne Melodien mit geeigneten Texten die Umgebung mit einem heiligenden Einfluss. Gleichzeitig wurde damit eine pädagogische Funktion erfüllt, denn die ständige Wiederholung der Lieder trug dazu bei, dass Texte, die wichtige Botschaften des Erlösungsplanes enthielten, sich dem Gedächtnis einprägten. Es waren Erinnerungen an das Wohlwollen Gottes, Verheißungen und Hoffnungen die der Geber des Lebens machte, und so weiter.

Die Musik als Teil des religiösen Dienstes

Die Wichtigkeit der Musik im Leben der Gläubigen und in den Gottesdiensten, wird im Wort Gottes ausgedrückt. Es lehrt, wie die Musik seit der Schöpfung des Menschen eine unzertrennliche Begleitung darstellte. Die instrumentale Musik und der Gesang sind ein wichtiger Teil des religiösen Gottesdienstes. Einige hatten die Kritik, dass die Musik einen niedrigeren Stellenwert als die Predigt oder das Gebet habe, aber das ist nicht so. Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass der Ursprung der Musik göttlich ist. Gott erfand die Musik; die schönsten Melodien, die im Universum je gehört wurden, rühren von Gott her und er selbst singt (Zephania Kapitel 3, Vers 17). Wie gerne würde ich Gott singen hören! Ich bin sicher, dass du das auch erleben möchtest.

Als ich noch sehr klein war, erinnere ich mich, dass ich gerne Musik und Lieder hörte. Das Gebiet in dem ich aufwuchs, ist voll von Musikanten, Sängern und Malern. Dieser Einfluss reizte mich mit 13 Jahren, an einer instrumentalen Musikband im Schulzentrum teilzunehmen. Ich spielte die Gitarre und sang auch. Später sang ich gleichzeitig in Gruppen, deren Musikstil von Protestliedern geprägt war. Nach und nach entwickelte ich mich auf diesem Gebiet und kam dazu, die Musik als eine Erweiterung meines Wesens zu betrachten. Ich wollte Sänger werden, aber, so wie die Jahre verstrichen, merkte ich, dass die spektakuläre Welt nichts für mich war. Ich danke Gott, dass er mich bewahrte, diese Gabe für die Welt zu entfalten, und heute kann ich sie für Ihn und seine Gemeinde üben.

Wie jede gute Gabe, wird die Musik auch für das Böse eingesetzt. Wir könnten auch über viele negative Themen sprechen: Die Entkräftung der Musik, ihre zerstörerische Macht der Moral in der Jugend, usw. Aber ich werde mich auf einen Aspekt zentrieren, der bis heute vielleicht noch nicht so behandelt wurde, es ist die geistige Haltung, die wir haben sollen, wenn wir singen. So wird die Musik zu dem, was Gott von ihr erwartet: ein großer Segen für dich und mich und für das ganze Volk Gottes auf dem weiten Erdenkreis.

Die Musik und der Verstand

In Psalm 47, 6.7 werden wir eingeladen Gott zu singen und es mit Verstand zu tun. In der Reina-Valera-Übersetzung 95 heißt es: mit "Intelligenz": "Lobsinget, lobsinget Gott; lobsinget, lobsinget unserm König! Denn Gott ist König auf dem ganzen Erdboden; lobsinget ihm klüglich!" Was bedeutet das? Die Intelligenz oder der Verstand ist die Fähigkeit des Verstehens, Kennenlernens, Recht und guten Sinn zu haben. Wenn wir also dem Herrn singen, bedeutet es, dass wir es wie ein Gebet tun. Im Gebet machen wir alles Mögliche um alle Störungen fernzuhalten. Das Zentrum unseres Interesses ist Gott und alles, was mit dem Erlösungsplan zusammenhängt; wir versuchen, uns auf die ausgesprochenen Worte zu konzentrieren und strengen unseren Verstand an, um den Gebrauch unserer Sprache zu verbessern, um das, was wir Gott sagen möchten, jedes Mal mit mehr Präzision und Konzentration ihm kundzutun. Machen wir aus dem Gebetsakt einen besonderen und einzigen Augenblick. Ein Gebet, in dem diese Eigenschaften nicht enthalten sind, wird mit der Zeit langweilig, bis es abstirbt.

Beim Singen müssen wir eine ähnliche Haltung einnehmen. Paulus betont genau das. Hier wird uns gezeigt, wie wichtig es ist, mit dem Verstand zu singen. "Wie soll das aber dann sein? Ich will beten mit dem Geist und will beten auch im Sinn; ich will Psalmen singen im Geist und will auch Psalmen singen mit dem Sinn." (1.Korinther 14,15). Wir sollen nicht sorglos, unbesonnen singen, beginnen und aufhören, wann wir wollen, ohne auf den Rest der Sänger zu achten, oder unklar aussprechen, dass nichts verstanden wird, oder so laut zu schreien, dass wir den Nächsten taub machen, oder mit einem anderen Ton singen als es die ganze Versammlung tut.

Mit Körperbewegung oder klatschenden Händen zu singen, ist in der Welt und in vielen christlichen Kirchen normal, aber all diese Äußerungen sollten unter den Gläubigen des Volkes Gottes nicht erscheinen. Es ist wichtig, dass jeder Gläubige sich bemühe, so gut wie möglich zu singen. Es ist klar, dass nicht jeder die Gabe des Gesanges oder der Musik hat, so wie nicht jeder die Gabe des Betens hat. Aber das soll nicht heißen, dass wir nicht beten sollen. Es gibt wohl immer Menschen, die besser als andere singen, aber wir sollten uns alle anstrengen, das Bestmögliche zu tun: "Wir müssen die Lieder der Erlösung hier einstimmen lernen, wenn wir sie einmal im Himmel anstimmen möchten." (Ellen G. White, Jeder Tag mit Gott, Seite 338). "Alle sollten sich Zeit nehmen, ihre Stimme so auszubilden, dass Gottes Lob in klaren, sanften Tönen gesungen wird, nicht hart und schrill, dass es die Ohren beleidigt. Gesang ist eine Gabe Gottes. Benutzt sie zu seiner Verherrlichung." (Ellen G. White, Zeugnisse Band 9, Seite 137). Wo es möglich ist, mögen Musik- und Gesangsklassen organisiert werden.

Die Geschwister die darin am meisten Erfahrung haben sollen die Geschwister schulen, die Lieder besser zu singen, neue Lieder zu lernen, die Stimmlage zu finden, und jeden unangenehmen Ton von der Stimme zu entfernen, usw. Wenn die Person es sehr schwer hat, die Stimme zu singen, soll ihr eine tiefere Stimmlage beigebracht werden, um die Harmonie nicht zu stören. Bildet auch Chöre mit den talentiertesten Geschwistern, Duo's, Trio's, Quartette und die Gemeinde singe dem König der Herrlichkeit. Möge dieses köstliche Geschenk des Himmels kultiviert werden, damit unsere Musikgabe dem Herrn angenehmer sei.

Mit dem Verstand singen bedeutet auch, die Worte klar auszusprechen. Wenn jemand betet und es nicht klar verstanden wird, wird kein guter Einfluss auf die Zuhörer ausgeübt. Die Defekte in der Aussprache betreffen den Kommunikationsprozess. Damit die Gesprächspartner alles gut verstehen können, müssen die Worte die gesprochen oder gesungen werden verständlich ausgedrückt sein. Für Gott ist ein korrektes Aussprechen nicht nötig um uns zu verstehen, denn er weiß schon was wir sagen wollen, bevor wir uns ausdrücken. Aber wenn wir eine korrekte Aussprache haben, wird er mehr verehrt, weil es einen segnenden Einfluss auf uns selbst und auf die Zuhörer ausübt, denn sie kommen durch das Gehörte Gott näher. (Römer 10,17). Die Leviten lasen klar und gaben dem Gelesenen Sinn (Nehemia 8,8). Wenn sie die Worte schlecht ausgesprochen hätten, hätte man sie dann trotzdem verstanden? Hätten sie den gleichen Einfluss auf die Zuhörer ausgeübt? Hätten sie das Ziel damit erreicht, die Forderungen Gottes und seines Gesetzes mit Klarheit auszudrücken? "Es ist nicht notwendig, laut zu singen. Aber es sollte mit richtiger Betonung, korrekter Aussprache und mit Ausdruck geschehen." (Ellen G. White, Zeugnisse Band 9, Seite 137).

Mit Verstand zu singen bedeutet keine Erniedrigung der Schönheit und Freude. Derselbe Herr Jesus gab uns ein Beispiel im frohen Gesang und Freude in seinem Herzen: "Manchmal wurde gesagt, dass Jesus nie gelacht habe. Das ist nicht wahr. Die Unschuld und Reinheit eines Kindes ließen von seinen Lippen ein fröhliches Lied anstimmen." (Exaltad a Jesus, Seite 84).

Der Ausdruck "freudig" bedeutet nicht, dass wir im Gotteshaus herumhüpfen sollen; es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Singen mit dankbarem Herzen gegenüber Gott und der Freude der Erlösung dass er so Großes zu unseren Gunsten vollbracht hat, und den Körperbewegungen die durch entsprechende Musik entstehen und uns zum Tanzen anregen.

"Musik und Tanz zu fröhlichem Gotteslob bei der Überführung der Lade hatten nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit den heutigen Tänzen. Das eine diente dem Gedenken Gottes und war Lobpreis seines heiligen Namens, das andere ist eine Erfindung des Bösen, um die Menschen Gott vergessen zu lassen und ihn zu entehren." (Ellen G. White, Patriarchen und Propheten, Seite 684).
"Die den Gesang zu einem Teil göttlicher Anbetung gestalten, sollten Lieder auswählen, die der Gelegenheit angepasst sind, nicht Trauergesänge, sondern frohe und feierliche Melodien." (Ellen G. White, Evangelisation, Seite 465).

Mit dem Verstand singen ist kein Synonym von "Gerührt sein". Die Fähigkeit, Emotionen und Gefühle zu erwecken, ist nicht immer ein Beweis, dass der Heilige Geist in uns wirkt. Vergessen wir nicht, dass der Glaube kein Gefühl, sondern ein Prinzip ist. Manche werden beim Singen in der Gemeinde gerührt, andere nicht, aber damit geschieht nichts. Die Musik hat die Fähigkeit, Gefühle zu erwecken, darum können Menschen auch bei weltlichen Liedern gerührt werden. Moderne Musik mit ihren schrillen, synthetischen, rhythmischen Tönen, mit sentimentalen Texten, erwecken Gefühle und reizen den Verstand.

Jugendliche, die in der Diskothek tanzen, ihre wöchentliche Portion Alkohol trinken und rauchen, können durch die Musik, die sie umgibt, mit geschlossenen Augen gereizt und gefühlserregt sein. Aber es gibt daran nichts Heiliges, kein Gramm Glauben, nichts, was Gott angenehm ist. Sie können sich sogar gut fühlen, glücklich und gefühlserregt sein. Aber wie weit sind sie von Gott entfernt!

Dasselbe geschieht in einer religiösen Versammlung. Die Menschen mögen klatschen, den Körper bewegen, Hände zum Himmel hochheben, meditierende, geschlossene Augen haben und eine religiöse Ekstase erleben, die sie zum Höhepunkt der Gefühle führt. Aber das ist keine Garantie einer Verbindung mit Gott. Was wirklich zählt, ist eine praktische Kenntnis des Evangeliums, eine lebendige und ständige Verbindung mit Gott. "Dunkelheit und Entmutigung werden öfter über uns kommen und uns zu überwältigen versuchen; wir sollen dann aber unser Vertrauen nicht "wegwerfen". Unser Blick muss fest auf den Heiland gerichtet bleiben, unabhängig von unserer Gefühlswelt. Jede erkannte Pflicht sollte treu erfüllt werden; dann können wir uns mit ruhiger Sicherheit auf die Verheißungen Gottes verlassen." (Ellen G. WHite, Ruf an die Jugend, Seite 80).

Zusammengefasst, liebe Jugend: Was ist dem Herrn wichtig? Nach seinem Willen leben (Matthäus 7,21), die Liebe üben, die im Gehorsam gegenüber seinen Geboten ausgedrückt wird (Johannes 14,15). Von seinem Wort abhängig sein, den Verdiensten Christi vertrauen und auf seine Verheißungen warten.

Die Christen sollen unterscheiden zwischen sich gut fühlen weil sie ein besonderes Gefühl haben und dem Glauben der über unseren Gefühlen steht. Wenn wir mit Verstand singen, zentrieren wir uns auf die Botschaft die unsere Lippen aussprechen, wir sind mit dem Text vertraut und bitten Gott, dass diese Worte in unserem Leben verwirklicht werden, egal, ob wir dafür besondere Gefühle haben oder nicht.

Der Gesang der Erlösten

Die Musik wird in der Ewigkeit weiterbestehen. Sie wird Teil der Erfahrung der auferstandenen Erlösten, (Jesaja 26,19) und der lebendig Verwandelten: "und wir riefen nur alle: "Halleluja, der Himmel ist leicht genug zu erlangen!" Wir rührten unsere goldenen Harfen, daß die Gewölbe des Himmels klangen." (Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte, Seite 15).

"Dort werden die Erlösten diejenigen begrüßen, die sie zu dem erhöhten Heiland gewiesen haben. Sie vereinen sich, den zu preisen, der starb, damit menschliche Wesen das Leben haben möchten, das sich mit dem Leben Gottes misst. Der Kampf ist vorüber. Alle Trübsale und aller Streit ist zu Ende. Siegeslieder erfüllen den ganzen Himmel, wenn die Erlösten um den Thron Gottes stehen. Alle nehmen den freudvollen Gesang auf: "Würdig, würdig ist das Lamm, das geschlachtet ward" und hat uns Gott erlöset."(Ellen G. White, FA, Seite 516).

"In jede Hand wird die Siegespalme und die glänzende Harfe gelegt. Dann gleitet jede Hand - die leitenden Engel geben den Ton an - geschickt über die Harfensaiten und entlockt ihnen liebliche Musik in reichen, klangvollen Melodien. Unsagbare Wonne entzückt jedes Herz, und jede Stimme erhebt sich in dankbarem Lobgesang: "Der uns geliebt hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott und seinem Vater, dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen." Offenbarung 1,5.6." (Ellen G. White, Der große Kampf, Seite 645).

Die 144.000 werden auch ein besonderes Lied anstimmen, das im Universum noch nie gehört wurde (Offenb. 14,1-5). Auf der neuen Erde werden jeden Sabbat Lieder der Liebe Gottes und des Preises Gott und seinem Sohn Jesus Christus gesungen, der für uns gestorben ist um uns zu retten. Millionen und Abermillionen von Engeln und Erlösten aus allen Zeiten werden ihre Stimmen in vollkommener Einheit und Harmonie erheben: "Und alle Kreatur, die im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und im Meer, und alles, was darinnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Stuhl sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Offenbarung 5,13).

Möchtest du daran teilnehmen? Ja, ich auch. Bereiten wir uns auf dieses zukünftige Ereignis vor! Was für eine schöne Gabe hat uns Gott geschenkt! Werden wir sie zu seiner Ehre und Herrlichkeit einsetzen? Werden wir mit Verstand singen? Weihen wir uns von ganzem Herzen dem Gott dieser Erde und singen ihm, singen ihm von den Wundern dem, der uns von der Finsternis zum wunderbaren Licht herausgeholt hat.

José Vicente Giner, Spanien, 18. 09. 2005

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